April 2009 – Komet Lulin (C/2007 N3)

5. April 2009 - g.grutzeck

Im Oktober des vergangenen Jahres war es soweit: Ein heller Komet wurde für den Jahresbeginn 2009 angekündigt [1]. Der Komet Lulin (C/2007 N3) sollte Ende Februar 2009 die Helligkeit von 6 mag erreichen und somit als Fernglasobjekt sichtbar sein.
Entdeckt wurde der Komet, der anfänglich für einen Asterioiden gehalten wurde, am 11.07.2007 vom Lulin Observatorium in Taiwan [2]. Am 17.07.2007 wurde dann aber eine Koma um das Objekt beobachtet, so dass es sich bei dem neu entdeckten Objekt nun eindeutig um einen Kometen handelte.
 
 
Aus den Berechnungen der Bahndaten ergab sich folgendes Bild:
Umlaufzeit: 28.477.536,72 Jahre
Periheldistanz: 1,2122890 AE
Apheldistanz: 186504,79 AE
Große Halbachse a: 93252,9999997 AE
Exzentrizität e: 0,999987
Bahnneigung i: 178,373 Grad
Argument des Perihels: 136,8614000 Grad
Länge des aufsteigenden Knotens: 338,5353 Grad
Periheldatum T JD: 2454842.14140 (10. Januar 2009 15:23:37)

Komet Lulin (C/2007 N3) bewegt sich auf seiner Bahn auf der Ekliptik und seine Bahn ist rückläufig, das heißt, er bewegt sich entgegen der Bahnen der Planeten.

Die ersten Beobachtungen des Kometen erfolgten noch im Sommer 2007, ab dem Herbst 2007 stand Lulin mit der Sonne am Taghimmel und blieb somit unbeobachtbar. Im Mai 2008 begannen dann erneut die Beobachtungen.
Im Sommer 2008 wurde die Beobachtung des Kometen auch für die Amateurastronomen interessant. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Komet eine Helligkeit von ca. 10 Magnituden.
Im Juli, August und September 2008 beobachteten entsprechend zahlreiche Amateure den Kometen.
Im September war Lulin deutlich heller als durch die vorliegenden Daten im Voraus berechnet [3, 4]. Im Oktober näherte sich Lulin auf seiner Bahn nun der Sonne, so dass eine weitere Beobachtung nicht mehr stattfinden konnte. Erst im Dezember 2008 war die Beobachtung wieder möglich.
Bei seiner nächsten Annäherung an die Sonne, dem Perihel am 10.Januar 2009 hatte Lulin eine Helligkeit von 7 mag und war ca. 1,21 AE von ihr entfernt.
Am 24. Februar, also über einen Monat später, erreichte Lulin mit 0,41 AE den erdnächsten Punkt seiner Bahn. Leider waren die Beobachtungen in Deutschland im Januar und Februar durch schlechte Wetterverhältnisse stark eingeschränkt.

Der Komet zeigte im Verlauf seines Periheldurchgangs ein interessantes Erscheinungsbild, da er scheinbar zwei entgegengesetzte Schweife hatte. Dieses Phänomen ist so zu erklären:
Jeder Komet hat zwei unterschiedliche Arten von Material, aus dem sein Schweif besteht: Den sogenannten Plasmaschweif (oder Gasschweif) und den Staubschweif. Der Staubschweif geht von dem Kometen nach hinten weg, seiner Flugbahn folgend. Er besteht aus kleinsten staubförmigen Partikeln. Der Plasmaschweif oder Gasschweif besteht zum größten Teil aus Molekül-Ionen, die wesentlich weniger Masse haben als die Teilchen des Staubschweifes. Diese Molekül-Ionen werden nun von dem sogenannten Sonnenwind, einem Partikelstrom der von der Sonne ständig ausgesandt wird, von dem Kometen weggetragen. Der Plasmaschweif zeigt dadurch vom Kometen aus in die der Sonne entgegen gesetzte Richtung, also von der Sonne weg.
Nun stand die Erde, als der Komet Lulin sich seinem Periheldurchgang näherte so, dass man den Staubschweif links seitlich hinter dem Kometen sehen konnte, aber auch gleichzeitig den durch den Sonnenwind von der Sonne wegzeigenden Plasmaschweif. Da sich der Komet von der Erde aus gesehen rechts von der Sonne befand, wurde das Plasma nach rechts von der Sonne weggetragen und war so rechts von dem Kometen aus sichtbar. Eine erläuternde Zeichnung ist hier zu finden. [5].

Der Komet Lulin ist in der öffentlichen Presse als "giftgrüner Komet" benannt worden. Die grüne Farbe des Kometen am Kern des Kometen entsteht durch Moleküle, die durch den Sonnenwind ionisiert werden und in diesem Fall grünlich erscheinen. Diese Ionen sind Kohlenstoffverbindungen und Cyanverbindungen. Ein Amateurspektrum des Kometen ist hier [6] zu finden.

Bild 1 Bild 2
Abb. 1: Eine Aufnahme von Lulin am 18.02.2009 von Reiner Guse aus Peine. Die Aufnahmen erfolgten mit einem Borg ED 101, 4” f = 640 mm
und einer Starlight SXV-H9C, wobei 22 Einzelbilder mit einer Belichtungszeit von je einer Minute aufgenommen wurden.
Abb. 2: Der nächste fotografische Beitrag zum Kometen kommt von Georg Zeitler. Aufgenommen am 25. Februar  2008, 01:16 UT, FFC 500mm  f / 3.5, 15 x 2 min, ISO 1600, Hutech EOS 40D, Monte Celado bei Arsiè, Veneto, Italien.
Bild 3 Bild 4
Abb. 3: David Bender nahm Lulin am 27.02.2009 um 02:25 UT in Bräsen auf. Als Kamera diente eine Eos 30D mit einem Canon EF 200 f / 2.8 L. Belichtet wurde 9 mal 120 s bei ISO 800. Abb. 4: Herbert Lackinger fotografierte den Kometen am 13.3.2009. Der Komet passiert dabei gerade NGC 2420. Als Kamera diente eine ALCCD6C mit einem IDAS LPS-Filter. Belichtungszeit war 5 mal 60 Sekunden. Als Fernrohr wurde ein APO 90/600 mit Televue 0,8 Reducer benutzt.
Bild 5 Bild 6
Abb. 5: Dieter Willasch belichtete diese tolle Aufnahmeserie in Somerset West, Südafrika – 16+21+25 Feb 2009,1 März 2009. Zum Einsatz kam ein TMB 130 f /6 Refraktor mit Flattner auf einer Astro-Physics 900 GTO Montierung. Als Kamera diente eine SBIG STL 11000M mit internem Filterrad CFW 5. Es wurde für die Bilder jeweils 5 bzw. 7 mal 2 min ohne Binning belichtet.
Aufnahmefilter war ein Astrodon True Balance LRGB Filtersatz.
Abb. 6: Michael Manthey nahm Lulin am 25.Februar 2009  um 1:00 Uhr mit einer EOS 5D Mark II auf. Objektiv war ein Teleskop: ASA N8" f 2.75 auf einer Vixen GP. Belichtet wurde bei ISO: 6400 15s. / 30s / 45s, wobei in der Aufnahme eine Grenzgröße von 21,57 mag erreicht wurde.
Bild 7 Bild 8
Abb. 7: Oliver Schneider belichtet am 24.02.2009 den Kometen mit seiner Atik 16 HR CCD Kamera und einem 135 mm Objektiv bei Blende 4. Die Einzelbilder wurden dann zu einem Gesamtbild zusammen gefügt. Abb. 8: Gleiche Aufnahmedaten wie Bild 7, die Einzelbilder wurden hier aber als GIF-Animation zusammengefügt, aus der die Bewegung des Kometen vor dem Himmelshintergrund anschaulich wird. (Großansicht 3 MByte!)
Bild 9  
Abb. 9: Am 25.Februar 2009 fotografierte Bernd Koch den Kometen mit einen Pentax 75 SDHF mit 500 mmm Brennweite bei f /6.7. Als Kamera kam eine modifizierte Canon Eos 5D zum Einsatz. Die Belichtungszeiten der fünf Einzelbilder betrugen 300 Sekunden bei ISO 1000.  

Eine weitere tolle Bilderseite mit sehr guten und außergewöhnlichen Aufnahmen ist auf Bernd Gährkens Seite unter  http://www.astrode.de/lulin1.htm zu finden.
[1] http://www.vds-astro.de/nachrichten/datum/2009/02//lulin-heller-komet-zum-jahresbeginn.html
[2] http://www.lulin.ncu.edu.tw/english/history20010314.htm
[3] http://astrofan80.as.funpic.de/html/comet_current.html#C2007_N3_Lulin
[4] http://www.aerith.net/comet/catalog/2007N3/2007N3.html
[5] http://spaceweather.com/comets/lulin/05feb09/Borja1.jpg
[6] http://menkescientific.com/comet-lulin.pdf