Januar 2010 – M45, die Plejaden

10. Januar 2010 - g.grutzeck

Mitte September taucht das Sternbild Stier als typisches Herbststernbild am Himmelszelt für den nächtlichen Beobachter auf. Der rot leuchtende Hauptstern mit dem Namen Aldebaran gehört zu den Hyjaden, einem sehr nahen und großen Sternhaufen. In einem anderen Teil des Stiers findet sich ein weiterer offener Sternhaufen, der zu den auffälligsten Vertretern seiner Art gehört und schon mit bloßem Auge ein markantes Himmelsobjekt ist: die Plejaden. Im deutschen Sprachraum werden diese auch als "Siebengestirn" bezeichnet.
Die sechs hellsten Sterne sind wenigstens 4,3 mag hell und somit auch von aufgehellten Beobachtungsstandorten aus zu sehen. Der hellste Stern in diesem offenen Sternhaufen ist Alkione mit 2,88 mag. Warum dann der Name "Siebengestirn", gibt es doch auch historische Darstellungen, in denen nur 6 Sterne abgebildet sind? Der Grund dafür ist, dass der siebte helle Stern des Siebengestirns mit dem Namen Pleione ein veränderlicher Stern ist. Pleione verändert seine Helligkeit in unregelmäßigen Abständen von 4,8 mag bis zu 5,5 mag. Je nach den Bedingungen am Beobachtungsort und der aktuellen Helligkeit dieses Sternes kann man diesen Stern sehen oder auch nicht.
Zwei weitere hellere Sterne der Plejaden, Celaeno und Asterope, sind mit 5,45 mag und 5,76 mag ebenfalls nur bei guten Himmelsbedingungen zu sehen. Unter sehr guten Bedingungen kann man noch weitere als die neun oben genannten Sterne sehen und so lässt sich anhand des Anblicks der Plejaden mit dem unbewehrten Auge die Grenzgröße am jeweiligen Beobachtungsort abschätzen.
 
Die Namen der hellsten Sterne des Sternhaufens stammen aus griechischen Mythologie. Vater Atlas mit seiner Frau Plejone und ihren 7 Töchtern.
 
Beobachtungen der auffälligen Plejaden sind schon seit prähistorischer Zeit überliefert. Früheste Höhlenmalereien aus der Höhle von Lascaux um 17.000 bis 15.000 v.Chr. könnten bereits die Plejaden darstellen [1]. Erste gesicherte geschichtliche Nennungen der Plejaden gibt es von den Sumerern um 1.200 v. Chr. im so genannten Astrolab B [2]. Sehr viele Kulturen haben die Plejaden in ihren Geschichten und Mythen übernommen, darunter die Australischen Aborigines in einer "Traumzeit"-Geschichte als so genannte "Seven Sisters" [3].
Einer der bedeutendsten Funde der Archäologie und für die frühe astronomische Geschichte der Menschheit ist die so genannte "Himmelsscheibe von Nebra", die im Jahr 1999 bei einer illegalen Grabung in der Nähe von Bebra in Sachsen Anhalt gefunden wurde. Auf dieser Himmelscheibe ist nach heutigem Stand der Forschung eine Abbildung der Plejaden zu finden [4,5]. Die Scheibe stammt aus der Bronzezeit und wurde um 2.100 bis 1.700 v. Chr. hergestellt.
In der neueren astronomischen Geschichte tauchen die Plejaden als Nummer 45 im berühmten Katalog von Charles Messier auf, der diese am 4. März 1769 in sein Verzeichnis aufnahm. 1846 fand der deutsche Astronom Johann Heinrich von Mädler, ein bekannter Mondbeobachter, dass die einzelnen Sterne der Plejaden zueinander keine messbare Eigenbewegung, aber alle einen scheinbaren Fluchtpunkt haben. Diese offenen Sternhaufen werden heute als Bewegungshaufen bezeichnet, da sich die Sterne des Haufens auf einen gemeinsamen Punkt hin bewegen.
Am 19.10.1859 wurde der Nebel NGC 1435 um den Stern Merope von Ernst Wilhelm Leberecht Tempel mit seinem 4"-Steinheil-Refraktor in Venedig entdeckt. Der erste weitere Plejadennebel – NGC 1432 bei Maja – wurde fotografisch am 16.11.1885 von Pierre und Prosper Henry mit ihrem 33 cm-Astrographen in Paris entdeckt. Dies war zugleich die erste brauchbare Aufnahme der Plejaden. Der Nebel wurde anschließend unter anderem Otto Struve in Pulkovo visuell bestätigt. Die Gebrüder Henry in Paris und Isaac Roberts in England, alle drei bedeutende Pioniere der Astrofotografie, fanden dann in den Jahren 1885 bis 1888 mit Hilfe von frühen astronomischen Fotografien heraus, dass der die Plejadensterne umgebende Nebel wesentlich komplexer und ausgedehnter ist und nicht nur einzelne Sterne umgibt.
Eine ausführliche Beschreibung der Plejaden ist im Buch "Nebel und Sternhaufen: Geschichte ihrer Entdeckung, Beobachtung und Katalogisierung" von Dr. Wolfgang Steinicke zu finden.
 
Der Entfernung des Sternhaufens wird heute mit 440 +/- 6 Lichtjahren angegeben, zum Haufen gehören ca. 500 Sterne, die für den Beobachter auf der Erde am Himmel über eine Fläche von ca. 1 bis 2 Quadratgrad verteilt zu sein scheinen. Das Alter des Haufens wird mit 80 bis 100 Millionen Jahren angegeben [6,7,8]. Die Plejaden sind in eine Staubwolke eingebettet, wie man auf der tiefen Aufnahme von Rogelio Bernal Andreo sehen kann [9].
Ein multispektraler Vergleich der Plejaden [10] zeigt, dass der Staub, der die hellsten Sterne der Plejaden umgibt, im mittleren Infrarot bei Wellenlängen von 25 Mikrometern und im fernen Infrarot bei 60 Mikrometern besonders hell leuchtet, die hellen Plejadensterne in diesem Wellenlängenbereich aber fast gar nicht zu sehen sind. Die Staubstrukturen entsprechen dabei nahezu denen im sichtbaren Licht. Im Wellenlängenbereich von 2 Mikrometern, also im Spektralbereich des nahen Infrarot, sind die Staubwolken nicht zu sehen, dafür aber die Sterne der Plejaden. Die Ursache dafür ist, dass der Staub die kurzen Infrarotwellen der Sterne passieren lässt, die mittel- und langwelligen Infrarotstrahlen der Sterne dagegen von den Staubpartikeln absorbiert werden, die sich dabei erhitzen und dadurch selbst in diesem Spektralbereich sichtbar werden.
Im visuellen Bereich reflektiert der Staub das Licht der hellen Plejadensterne und wird dadurch für uns Beobachter als so genannter Reflexionsnebel sichtbar. Es gibt einige Objekte aus dem NGC-, IC- und VDB-Katalog in den Plejaden. Das bekannteste Objekt ist der so genannte Meropenebel, NGC 1435. Einen Teil von NGC 1435 bildet der besonders helle Nebel IC 349, auch Barnards Merope Nebel genannt. Dieser liegt mit 36 Bogensekunden Abstand sehr nahe am sehr hellen Stern Merope, der mit seinem Licht die Erscheinung des gesamten Meropenebels hervorruft. Das Hubble Weltraumteleskop nahm IC 349 im Dezember 2000 auf [11].
 
Beobachtung:
Die Plejaden sind für jedermann auch von hellen Standorten aus mit dem bloßen Auge beobachtbar. Je dunkler ein Standort ist, desto mehr Sterne sind mit dem bloßem Auge sichtbar. An besonders dunklen Standorten sollen es bis zu 16 Sterne bis ca. 6,5 mag sein, die man mit bloßem Auge sehen kann. Nimmt man nun ein Fernglas oder ein Fernrohr zur Hand, so zeigt sich die wahre Pracht des Objekts. Auch hier gilt, je dunkler der Standort, desto mehr Sterne kann man erblicken. Man sollte die Vergrößerung nicht zu hoch wählen, da der Sternhaufen eine Ausdehnung von etwa dem 4-fachen Vollmonddurchmesser hat. Ist der Beobachtungsstandort sehr dunkel, so kann man Teile des Reflexionsnebels um die hellen Sterne sehen.
 
Uwe Glahn, ein sehr erfahrener visueller Beobachter und Mitglied der VdS, beschreibt die visuelle Beobachtung von M 45 und den enthaltenen Objekten so:
Unter einem guten Himmel zeigt bereits ein kleines Fernglas den hellsten Reflexionsnebel NGC 1435 als schwache Aufhellung südlich von Merope. Ein Filtereinsatz ist bei Reflexionsnebeln kontraproduktiv, einzig die Qualität des Himmels zählt. Der Einsatz größerer Öffnungen offenbart dann auch visuell die Nebelvielfalt der Plejaden. Südlich von Merope zerfällt NGC 1435 in Detail. Besonders die Stufenform nördlich ist spektakulär und zeigt sich auch bei höheren Vergrößerungen. Vorteilhaft ist es dann Merope aus dem Gesichtsfeld zu halten. Etwa 9′ westlich von Alcyone befindet sich mit VdB 23 ein immer noch einfach zu sehender Nebelteil, der etwas isoliert im Feld steht. Schwieriger ist VdB 70, der sich als schmaler Streifen von Electra auf etwa 10′ Länge nach Osten zeigt. Noch schwieriger ist ein etwas kürzerer Streifen südlich davon, der parallel auf etwa 5′ Länge zu verfolgen ist. Die unmittelbare Nebelregion um Maia, auch unter NGC 1432 verzeichnet, zeigt sich detailreich, jedoch deutlich schwieriger als die benachbarte NGC 1435 Region. Aus dem Halo des hellen Maia schälen sich streifenartige Strukturen nach Nord und Süd. Der hellste Streifen startet knapp westlich vom Stern und bewegt sich auf 3′ Länge in Richtung Nord.
 
Eine visuelle Herausforderung bietet der kleine Reflexionsnebel IC 349, der sich nur 36" südlich von Merope befindet. In mittleren und großen Öffnungen hat man eine Chance diesen visuell zu erhaschen. Wichtig ist auf eine Streulichtunterdrückung in Bezug auf Merope zu achten. Transparenter Himmel ist dabei ebenso wichtig wie saubere und reflexfreie Optiken. Bei Newton-Systemen ist darauf zu achten, dass der Nebel zwischen den Spikes zu liegen kommt. Ist bei hoher Vergrößerung Merope gerade außerhalb des Gesichtsfeldes, ist eine leicht ovale Aufhellung von etwa 15" Größe zu erkennen. Unter Abb. 1-3 sind drei Zeichnungen von Uwe Glahn zu finden.
 
Fotografie:
Man sieht an den Bildeinsendungen zu diesem Artikel, dass die Plejaden nicht nur ein Objekt für große Brennweiten und speziell zur Astrofotografie ausgelegte Kameras sind. Viele Bilder werden mit Weitwinkel- und Teleobjektiven bei kleineren Brennweiten mit den immer beliebter werdenden digitalen Spiegelreflexkameras gewonnen. Bei M 45 kann praktisch jede Kamera zum Einsatz gebracht werden, da der Reflexionsnebel im blauen Bereich leuchtet und dieser Wellenlängenbereich auch von Kameras gut abgelichtet werden kann, die nicht speziell für die Astrofotografie umgebaut wurden. Der Grund für eine solche Modifikation der Kamera: Nicht modifizierte digitale Spiegelreflexkameras sind in Hinsicht auf ihre spektrale Empfindlichkeit für die Fotografie anderer in der Astronomie interessanten Wellenlängen wie die h-Alpha-Linie bei 656,3 nm oder die S II-Linie bei 671,6 nm nicht besonders gut geeignet. Grund ist ein ab Werk vor den Aufnahmechip eingebauter Filter, der Wellenlängen am Übergang zum Infrarot herausfiltert, um Unschärfen bei der Tageslichtfotografie zu unterbinden. Erst ein Ausbau dieses Filters, die Kamera wird dann als "modifiziert" bezeichnet, lässt Licht aus diesen Wellenlängenbereichen auf den Bildsensor gelangen und somit Abbilden.
Mit Weitwinkelobjektiven und bei sehr kurzen Belichtungszeiten sind die hellen Sterne der Plejaden gut abzulichten. Das macht M45 gerade für Anfänger in der Astrofotografie interessant. Auf sogenannten "Strichspurbildern", im Englischen auch Startrails genannt, erscheinen diese als sehr enge Sternengruppe, die über den Himmel zieht [Abb.4].
Aus diesen Strichspurbildern lassen sich wunderbar kleine Filme erstellen, wie hier [12] ein Film zu Abb.1. Fragen zu dieser Aufnahmetechnik beantwortet ein vom Autor erstelltes Skript, das als pdf-Datei herunter geladen werden kann [13].
Ein weiterer Vorteil solcher Weitwinkelbilder ist, dass man mit stehender Kamera ohne Nachführung arbeiten kann. Schon auf einer Aufnahme mit 15 Sekunden Belichtungszeit und einem Weitwinkelobjektiv sind die Plejaden neben dem gesamten Wintersechseck zu erkennen [Abb.5]. Mit zunehmender Brennweite rücken die hellen Sterne der Plejaden immer mehr in den Vordergrund. Ab einer gewissen Brennweite und bei längeren Belichtungszeiten ist dann aber eine Nachführung erforderlich. Ein Richtwert für Bilder ohne Nachführung ist, dass man ein Bild bei 50 mm Objektivbrennweite ca. 15 s belichten kann, ohne dass die Sterne strichförmig werden. Mit kürzerer Objektivbrennweite kann man entsprechend länger belichten, mit längerer Brennweite kürzer.
Zwei Beispiele mit kurzer Belichtungszeit und einer Nachführung sind die Bilder von Manfred Holl und Michael Stehen aus Hamburg Neu-Allermöhe sowie das Bild von Ronald Nowosad. Die beiden Bildautoren aus Hamburg haben die Plejaden mit 119 mm Objektivbrennweite aufgenommen. Interessant ist der Vergleich des Rohbildes in Abb.6 zu der Bearbeitung in Abb. 7. Man sieht, dass allein die Tonwertkorrektur, die an dem Bild durchgeführt wurde, bereits zu einem deutlich besseren Ergebnis führt. Zu diesem Bild schreiben die beiden Autoren:" Der Himmelshintergrund war sehr hell, wie man auf diesem Bild sieht, typische Situation unter den Bedingungen des Stadthimmels und tiefstehender Plejaden."
Ronald Nowosad verwendete eine Objektivbrennweite von 135 mm und fügte insgesamt 3 Bilder mit 10 Sekunden Belichtungszeit zusammen [Abb.8]. Die Kamera war als sogenannte "Piggyback" auf einem Fernrohr angebracht .Dazu wird die Kamera oben auf eine Halterung des Fernrohrtubus geschraubt. Viele Fernrohre haben schon Herstellerseitig eine solche "Piggybackhalterung" angebracht. Sehr praktisch, um ohne große Umbauten zu beobachten und mit kleineren Optiken zu fotografieren.
Andreas Goerigk schickte für diesen Beitrag gleich zwei Bilder mit unterschiedlichen Brennweiten. Abb. 9 ist bei 200 mm Objektivbrennweite, Abb. 10 ist bei 400 mm Brennweite aufgenommen worden. Belichtet wurden die Bilder mit einer Canon EOS 400D durch einen CLS-Filter. Dieser Filter wird eingesetzt, um die Himmelaufhellung durch störende Lichtquellen wie Straßenlaternen usw. heraus zu filtern. Leider ist so ein Filter keine unproblematische Sache. Der Filter blockt gewisse Spektrallinen ab, sodass diese im Bild fehlen und eine Farbverfälschung hervorgerufen werden kann. Bei den Plejaden ist dies allerdings nicht der Fall, da der relevante Spektralbereich den Filter passieren kann. Eine spektrale Kurve dieses Filters ist hier zu finden [14]. Interessant ist noch die Verwendung als "Clip-Filter". Dieser Filtertyp wird von vorn in die Spiegelreflexkamera "geklippt" und ist somit mit vielen Objektiven zu verwenden. Durch die schon recht langen Belichtungszeiten der Bilder sind die Reflexionsnebel in den Plejaden bereits gut zu sehen.
Ein echtes Highlight mit 200 mm Objektivbrennweite hat Andreas Rörig eingesendet. Er ist ein sehr erfahrener Bildautor und Mitglied der VdS-Fachgruppe Astrofotografie. M 45 begegnet dem Kometen C/2004 Q2 Machholz [Abb.11].
Dass man bei der Gelegenheit eines Teleskoptreffens unter sehr gutem Himmel tolle Bilder machen kann, zeigt Abb. 12., die auf der Emberger Alm im Rahmen des ITT 2008 entstand. Reiner vom Bruch schreibt zu diesem Bild: "Die kurze Belichtungszeit von nur 2×400 Sekunden zeigt schön die Vorteile eines dunklen Himmels. Eine Vergleichsaufnahme mit deutlich grösserer Optik bei mir zuhause zeigte trotz langer Belichtungszeit nicht einmal ansatzweise diese Details."
Thomas Wahl hat mit einem Takahashi Epsilon, einer sehr lichtstarken Astrokamera, die Plejaden bei 520 mm Brennweite und f = 3,3 aufgenommen [Abb.13]. Diese Brennweite ist in Verbindung mit einer digitalen Spiegelreflexkamera, die einen sogenannten APS-C C-MOS-Sensor enthält, eine sehr gute Kombination, da so die äußeren Nebelstrukturen schon detailreich abgebildet werden und zugleich auch die inneren Strukturen aufgelöst werden. APS-C Sensoren haben im Vergleich zu sogenannten Vollformatsensoren mit 36 * 24 mm Sensorgröße kleinere Abmessungen. Eine Erläuterung zu dem APS-C Format findet sich hier [15]. Interessant ist nun der Vergleich mit der Abb. 14. Dieses Bild wurde mit der gleichen lichtstarken Astrokamera von Takahashi gemacht wie in Abb. 13, allerdings mit einer astronomischen CCD-Kamera von Starlight Express. Die Kamera, eine SXV-H9, hat einen wesentlich kleineren Bildsensor als die APS-C Kamera von Abb.13. Dadurch wird mit dem gleichen Fernrohr der Bildausschnitt wesentlich kleiner und es scheint so, als wäre Abb.14 mit höherer Brennweite aufgenommen, es war aber die gleiche Optik. Letztendlich ist die Auflösung des Sensors in Bogensekunden pro Pixel entscheidend. Die Auflösung wird durch die Pixelgröße und die Aufnahmebrennweite bestimmt. Die verwendete Kamera von Abb. 13 ist eine Canon EOS 300D, diese hat eine Pixelgröße von 7,38 Mikrometer. Die SXV-H9 hat eine Pixelgröße von 6,45 Mikrometer. Die Auflösung beider Kameras ist also fast gleich. Schaut man sich Abb.13 bei 100 Prozent auf dem Bildschirm an, kann man erkennen, dass der Abbildungsmaßstab fast gleich, nur der Bildausschnitt der Aufnahme mit der Canon EOS 300D wesentlich größer ist. Viele der mit DSLR-Kameras aufgenommenen Bilder, die einen wesentlich größeren Chip haben als die meisten rein astronomischen Kameras, werden verkleinert in das Internet gestellt. Durch die Skalierung entsteht der Eindruck, als seien diese mit kürzerer Brennweite aufgenommen worden.
Eine weitere Aufnahme mit 440 mm Brennweite hat Michael Deger eingesandt. In Verbindung mit seiner SBIG CCD Kamera ST-2000XM und einem 4,5 Zoll Newton ist auch hier die Brennweite gut geeignet, um die Plejaden fast ganz abzubilden [Abb.15]. Die SBIG-Kamera hat eine Chipfläche von 11,8 mm x 8,9 mm. Dadurch hat Sie im Vergleich zur Vollformatkamera einen etwa 3-mal kleineren Chip, sodass man nur mit kurzen Brennweiten wie in diesem Bild mit 440 mm die Plejaden noch so vollständig ablichten kann.
 
Kommen wir nun zu den Bildern mit längerer Brennweite. Mit einem 8"/f4 Fernrohr hat Andreas Röhrig Abb. 16 erstellt. Bei 800 mm Brennweite und der Canon EOS 300D werden schon Teile des Plejadennebels abgeschnitten.
Bei Abb.17, ein Bild von Andreas und Regina Sperber, das bei 1.400 mm Brennweite entstand, sieht man, dass man sich bei der Bilderstellung bereits Gedanken machen muss, welchen Bildausschnitt man wählt. Auch wenn man eine SBIG STL-11000 CCD Kamera verwendet, die einen Bildsensor von 36 x 24,5 mm mit 11 Millionen Pixeln hat. Das entspricht mehr als bei einer Vollformat-Digitalkamera oder Diafilmgröße. Man kann die gesamten Plejaden selbst mit einem Bildsensor dieser Größe bei einer solch hohen Brennweite nur im Mosaikverfahren aus mehreren Einzelbildern aufnehmen. Ist der Chip noch kleiner, muss man entsprechend mehr Mosaikbilder erstellen, um ein Gesamtbild zusammensetzen zu können. Zu dem Bild schreiben die Bildautoren noch folgen Text:" Das Seeing war durchschnittlich, aber brauchbar für 1,4 m Brennweite. Die Einzelbilder wurden in Photoshop einzeln addiert und im RGB überlagert. Außer einer leichten Kontrastanpassung und ein Abzug eines Darkframes wurde das Bild nicht verändert."
 
Knut Schäffner zeigt mit Abb. 18 eine sehr tiefe Aufnahme des zentralen Bereiches der Plejaden. Das Bemerkenswerte an diesem Bild ist neben den Strukturen auch die Tatsache, dass das Bild ohne Nachführung entstand. Hier zeigt sich, was neue moderne Technik auch im Montierungsbau zu leisten vermag.
 
Die Bilder mit der längsten Aufnahmebrennweite kommen von Manfred Mrotzek und Ralf Thiele. Abb.19 zeigt den Nebel, der den Stern Merope umgibt. Als Kamera kam eine Watec 120-N zum Einsatz. Diese Kamera ist eine hochempfindliche Videokamera, die Einzelbelichtungen von bis zu 10 Sekunden zulässt und ein Videosignal liefert. Abb. 20 zeigt zeigt Barnards Merope-Nebel, auch mit der Watec 120-N aufgenommen bei 2.350 mm Brennweite. Eine genaue Beschreibung der Aufnahmebedingungen und Technik findet man unter den Bildbeschreibungen zu Abb. 18 und 19. Manfred Mrotzek schreibt folgende Anmerkung zu den Bildern:" Beide Aufnahmen wurden von der Terrasse meines Hauses mitten aus Buxtehude gemacht. Die parallelen Striche, die waagerecht und senkrecht durch Merope verlaufen, sind Artefakte, die bei extrem hellen Sternen entstehen. Ich vermute, dass sie durch die Kamera, d.h. den Chip selbst, seine Mikrolinsen oder das Glasfenster auf dem Chip, verursacht werden. IC 349, das ist der kleine helle Reflexionsnebel südlich von Merope. Entdeckt wurde dieses Nebelchen vom Astronomen Barnard, weswegen er auch manchmal als Barnards Meropenebel bezeichnet wird. Er war mir auf einer Aufnahme der großflächigen Nebel um Merope, die ich am 14.01.2007 mit der Watec CCTV-Kamera durch mein C9.25 gemacht hatte, aufgefallen. IC 349 ist so hell, dass er schon auf dem Livebild leicht als kleiner heller Fleck unterhalb von Merope zu sehen war. Ich hatte ihn zunächst für einen Artefakt (Reflex) wegen der großen Helligkeit von Merope gehalten, bis ich zwei Tage später ein Bild von Merope und IC 349 mit den entsprechenden Erklärungen von Rob Gendler erhielt. Auf allen Bildern der Nebel um Merope und den übrigen Plejadensternen, die ich bis dahin gesehen hatte, war IC 349 nicht zu sehen, weil Merope ihn völlig überstrahlte. Hier zeigt sich wieder einmal eine bemerkenswerte Eigenschaft der Watec-Kamera, nämlich dass sie helle Sterne nicht beliebig ausufern lässt, wodurch auch schwache Objekte in direkter Nachbarschaft noch sichtbar bleiben. Am 17.02.2007 ging ich dann mit voller Brennweite gezielt auf IC 349 los, um den Nebel ein bisschen besser aus dem Glanz von Merope herauszulösen und eventuell auch etwas detaillierter aufzulösen. Allerdings war die Transparenz durch Cirruswolken nicht besonders gut, und auch das Seeing ließ zu wünschen übrig, sodass mir nur das erstgenannte Ziel gelang."
 
Ralf Thiele belichtet mit seiner modifizierten Canon EOS 1000 den Meropenebel bei 1.590 mm Brennweite [Abb.21]. Bei dieser Aufnahme kam experimentell ein UHC-S Filter zum Einsatz. Dieser Filter dient ähnlich wieder der oben beschriebene CLS-Filter der Entfernung störender Himmelaufhellung, die durch künstliche Beleuchtung entsteht. Eine spektrale Kurve des Filters ist hier zu finden [16].
Stefan Binnewies sendete für diesen Beitrag eine bemerkenswert tief belichtete Aufnahme, die mit 300mm Objektivbrennweite aufgenommen wurde. Die Aufnahme zeigt sehr viele Staubstrukturen in der Umgebung der Plejaden. Im rechten Bildfeld sind diese Strukturen in der Negativdarstellung der ursprünglichen Aufnahme sehr schön zu sehen [Abb.22].
Eine weiter Aufnahme sendete Harald Strauss aus Österreich für diesen Beitrag [Abb.23]. Die Aufnahmeoptik ist eine Flatfieldkamera (FFC) mit 500 mm Brennweite. Auch bei diesem Bild kam eine Canon Eos 1000 zum Einsatz. Der Bildautor schreibt zu diesem Bild:" Die Bedingungen waren recht sportlich, zuerst -12° und am Ende der Aufnahmeserie -6° und Wind. Die FFC dürfte aber auch ein Problem mit sehr kalten Temperaturen habem, denn ich hatte mit relativ starkem Astigmatismus zu kämpfen was sonst nicht so der Fall ist. Ich hatte auch viel Spaß bei der Fokusiererei, denn die FFC ist nicht Temperaturkompensiert. Zuerst zu warm, dann kalt draußen. Gerät endlich ausgekühlt, dann plötzlich draußen wärmer, kurzzeitig grausames Seeing (mußte 2 Bilder weglassen), dann wieder besser, 3x nachfokussiert usw.
Das Ergebnis ist auch nicht wirklich optimal, auch der Bildausschnitt paßt nicht. Doch wenn man in Zeiten wie diesen eine Wolkenlücke erwischt jammert man nicht, daher schicke ich das Euch trotzdem."
Einen interessanten Vergleich bieten die Aufnahmen hinsichtlich der Farbgebung. Es sind Farben der Reflexionsnebel von Hellgrau bis Dunkelblau vertreten. Das Thema Farben in der Astrofotografie wurde im zweiteiligen Artikel von Harald Tomsik und Peter Riepe im VdS Journal Nr. 25, Seite 57 und VdS Journal Nr. 26, Seite 48 genau behandelt. Er zeigt dem Amateur einen Weg auf, um seine astrofotografischen Ergebnisse farbkalibiert darzustellen.
Wir haben gesehen, dass sehr viele Leute mit sehr viel Eifer und den unterschiedlichsten Brennweiten und Kameras die Plejaden aufnehmen. Es sind beachtliche Ergebnisse von Amateuren erzielt worden. Die Plejaden zählen sicherlich zu einem der spannendsten Betätigungsfelder der Amateurastronomie was die Beobachtung und Bildaufnahme anbelangt. Der vorliegende Artikel kann nur einen kleinen Einblick in die Objekteigenschaften, Beobachtungstechnik und Fotografie geben. Er dient mehr als Anregung zum weitergehenden Selbststudium.

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Abb. 1: Zeichnung von Uwe Glahn. Beobachtungsoptik war ein 20×125 Bino mit 3° Bildfeldkreis Abb. 2: Zeichnung von Uwe Glahn. Beobachtungsoptik in diesem Fall ein 16 Zoll Newton bei 100-facher Vergrößerung. Durchsicht fst 6m5+ / Seeing III
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Abb. 3: Zeichnung von Uwe Glahn  / Barnards Merope Nebel / IC349 / Beobachtungsoptik 16" Newton bei 600-facher Vergrößerung. Durchsicht fst 6m5+ / Seeing III Abb. 4: Oliver Schneider Startrail aus 186 Bildern mit je 30 Sekunden Belichtungszeit / 19 mm Objektiv bei f/5.6 und 800 ASA / Aufnahmeort IHT 2009 Reinsehlen
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Abb. 5: Oliver Schneider Wintersechseck mit Plejaden / Canon EOS 400D modifiziert / Objektiv mit 18 mm Brennweite und Fisheyevorsatz / 15 Sekunden bei f/5.6 / 1.600 ASA Abb. 6: Manfred Holl, Michael Steen M 45, 25.08.2009, 00:12:48, Canon EOS 350D, 1:4,0/70-300 mm Tele, Brennweite 119mm, 29 Sekunden belichtet bei ISO 1600, Blende f/4.0, Nachführung mit Meade LXD 75. Standort: Gemeindezentrum Feste Burg, Hamburg Neu-Allermöhe.
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Abb. 7: Manfred Holl, Michael Steen: Bearbeitung der Aufnahme aus Abb.6, Nachbearbeitung mit Photoshop (nur Tonwertkorrektur). Abb. 8: Ronald Nowosad Kamera: Canon EOS 350D, 3 mal 10 Sekunden bei 1600 ASA und Brennweite 135 mm. Jeweils drei Bilder wurden mit Fitswork gestackt, danach mit Photoshop leicht nachbearbeitet.
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Abb. 9: Andreas Goerigk, Plejaden aufgenomem mit einem 200-mm-Teleobjektiv und einer Canon EOS 400D bei 400 ASA und 20 Minuten. Belichtungszeit mit CLS-Clipfilter. Bearbeitung ausschließlich mit der Tonwertkorrektur von Photoshop. Abb. 10: Andreas Goerigk , M45 mit einem 400-mm-Tele, Canon Eos 400D ebenfalls bei 400 ASA und CLS-Clipfilter, Belichtungszeit 15 min.
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Abb. 11: Andreas Rörig, Objekt: Der Komet C/2004 Q2 Machholz beim offenen Sternhaufen M45. Objektentfernung: ca. 0,35 AU (52 Mio km). Datum: 06.01.2005 Zeit: 18:53 UT, 2 x 120 Sekunden Ort: Wilsenroth / Westerwald. Instrument: 200-mm-Objektiv bei f/4 Montierung: Alt 5 ADN Kamera: Canon EOS 300D, ISO 800 Abb. 12: Reiner vom Bruch M45, entstanden auf der Emberger Alm beim ITT 2008. Aufgenommen mit einer modifizierten Canon EOS 20D am Williamsrefraktor 72/432 mm.
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Abb. 13: Thomas Wahl M45 Canon Eos 20D modifiziert, aufgenommen in Hertinghausen am 16.09.2007. 6 x 600 Sekunden mit einem Takahashi Epsilon bei f=520 mm, f/3,3 Abb. 14: Thomas Wahl M 45 Starlight Express SXV-H9 am Takahashi Epsilon bei f=520 mm, f/3,3 am 15.12.06 aus Oberhausen. L: 18 x 5 min, R,G,B: je 4 x 5min.
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Abb. 15: Michael Deger Teleskop:  4,5 Zoll Newton, f = 440mm Montierung: Vixen New Atlux Kamera: SBIG ST-2000XM mit SBIG LRGB-Filtern Belichtungszeiten:  L:R:G:B  40x3min: 15×3 min.: 15×3 min.: 15×3 min. ( L: ohne Binning, RGB: je 2×2 ) Ort: Erdweg / Bayern Datum: 27.12.2008 Abb. 16: Andreas Rörig 09.12.2004 Belichtungszeit: 11 x 5 min. Aufnahmeort: Wilsenroth/Westerwald  Instrument: Vixen R200SS bei f/4  Montierung : Alt 5 ADN  Kamera: Canon EOS 300D, ISO 800   Nachführung: 120/600mm Refraktor, SBIG ST4 Anmerkung des Bildautors: Kalibrierung (Dark und Flat), Registrierung und Kombination wurden mit meiner Software Regim vorgenommen.
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Abb. 17: Andreas und Regina Sperber Plejaden, aufgenommen am 29.09.2008 mit dem 7 Zoll TMB Apochromat der Sternwarte Nürnberg. Das Bild ist ein RGB-Komposit aus je 4 x 600 s je Farbkanal. Die Temperatur des Chips der SBIG STL-11000 betrug -20°C. Abb. 18: Knut Schäffner Fernrohr: ASA 12" Kamera: FLI ML8300 mit Filterrad CFW 2-7  Filter: Baader Filter  Montierung: ASA DDM 85 Belichtungszeiten L: 50 min., R:G:B: 23:23:28 min Anmerkung des Bildautors: nicht nachgeführt.
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Abb. 19: Manfred Mrotzek Datum: 14.01.2007, ab 20:27h MEZ Optik: Celestron C9.25, 235 mm Öffnung f = 1410 mm, f/6,0 Montierung: Losmandy G-11, ohne Guiding Kamera: Watec 120-N mit IR-Sperrflter Gesamtbelichtungszeit: 29 Minuten (174 x 10 Sekunden) Bildbearbeitung: 174 Bilder aus 192 von Hand selektiert und mit Giotto gestackt, Kontrast logarithmisch angehoben, mit NeatImage entrauscht und mit PicturePublisher geschärft, leicht beschnitten, Histogramm korrigiert etc. Abb. 20: Manfred Mrotzek Datum: 17.02.2007, ab 20:12h MEZ Optik: Celestron C9.25, 235mm f=2350mm, f/10 Montierung: Losmandy G-11, ohne Guiding Kamera: Watec 120-N mit IR-Sperrflter Gesamtbelichtungszeit: 8 Minuten (174 x 2,54 Sekunden) Bildbearbeitung: 192 Bilder mit Giotto in doppelter Auflösung gestackt, Kontrast logarithmisch angehoben, mit NeatImage entrauscht und mit PicturePublisher geschärft, Histogramm etc.
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Abb. 21: Ralf Thiele M 45 mit einer Canon EOS 1000 modifiziert Newton 10" f = 1590mm 2 x 10 min und 3 x 13 min bei 800 ASA,3 x 10 min 1600 ASA Baader UHC-S Filter Abb. 22: Stefan Binnewies M45 in kontrastgesteigerter Version, DSLR-Aufnahme. Canon EOS 5D unmodifiziert und 300 mm-Objektiv, abgeblendet auf Blende 5,6; 20 mal 300 s belichtet bei ISO 1600 am 29.12.2008 in der Eifel
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Abb. 23: Harald Strauss, M45 aus Österreich / Sternwarte Gahberg, Canon EOS 1000, 10 x 10 min. bei 400 ASA FFC mit 500mm Brennweite  

Quellen
[1] http://www.scinexx.de/dossier-detail-383-8.html 
[2] http://de.wikipedia.org/wiki/Astrolab_B
[3] http://www.kitezh.com/sevensisters/7sisters.htm
[4] http://www.astronomie.de/bibliothek/artikel/geschichte/nebra/index.htm
[5] http://www.lda-lsa.de/himmelsscheibe_von_nebra/
[6] http://hubblesite.org/newscenter/archive/releases/2004/20/text/
[7] http://articles.adsabs.harvard.edu//full/1993A%26AS…98..477M/0000495.000.html
[8] http://www.astronomie.de/bibliothek/artikel/open-cluster/hyaden-plejaden/index.htm
[9] http://www.starobserver.org/ap091014.html
[10] http://coolcosmos.ipac.caltech.edu/cosmic_classroom/multiwavelength_astronomy/multiwavelength_museum/m45.html
[11] http://hubblesite.org/newscenter/archive/releases/2000/36/
[12] http://www.balkonsternwarte.de/andere_Standorte/bilder/Plejaden-Startrail-Gesamt.avi
[13] http://www.balkonsternwarte.de/startrails/startrailsanleitung.pdf
[14] http://www.astroamateur.de/filter/20051025/astronomik_cls_typ2.html
[15] http://de.wikipedia.org/wiki/APS-C
[16] http://www.astroamateur.de/filter/is_test/is_baader_uhc_2458275.html