BoHeTa 2012 – Bericht

21. November 2012 - g.grutzeck
Die Veranstalter der Bochumer Herbsttagung der Amateur-Astronomen stellten sich eine Frage, die sich so manche Organisatoren von Tagungen – nicht nur im Bereich der Astronomie – in unserer Zeit stellen: Ist eine Tagung als Format in Zeiten von Foren, Blogs und Facebook noch eine Form des Austauschs, die eine Berechtigung hat? Die gegenüber dem Vorjahr wiederum deutlich gestiegene Zahl der Besucher bei dieser 31. BoHeTa gab darauf eine Antwort des Faktischen. Amateure profitieren zweifellos vom regen Austausch über das Internet, finden dort vielseitige Anregungen und wertvolle Information und dank Echtzeit-Wolkenanimation gelingt auch der ein oder andere Blick durch ansonsten unerwartete Wolkenlücken. Aber die Gelegenheit, Projekte in der Tiefe persönlich vorgestellt zu bekommen, sich direkt über Ideen auszutauschen, Rückfragen unmittelbar zu klären und nicht zuletzt einfach mal eine Tasse Kaffee zu trinken, das hat weiterhin einen berechtigten und offenkundig beliebten Platz.
So begrüßte Peter Riepe, Leiter der Fachgruppe Astrofotografie der VdS die Besucher zur 31. Bochumer Herbsttagung. Professor Dettmar als Vertreter des Astronomischen Instituts der Ruhr-Universität-Bochum wies gleich zu Beginn auf den Vorteil persönlicher Treffen hin und die Qualitätskontrolle, die mit der Auswahl der Tagungsthemen durch die Organisatoren einhergeht, Er hob das hohe Niveau der Amateurarbeiten hervor, die auf der BoHeTa regelmäßig vorgestellt werden. Er freue sich auch in Zukunft auf immer wieder neue Gesichter unter den Referenten. Werner Celnik begrüßte die Teilnehmer stellvertretend im Namen des Vorstands der Vereinigung der Sternfreunde.
Den Auftakt der Vorträge machte Prof. Dr. Thomas Hebbeker aus Aachen. Er hatte sich vorgenommen die Umlaufzeiten und Bahndaten der vier Gallileischen Jupitermonde anhand eigener Messungen nachzuvollziehen, das III. Keplersche Gesetz anhand der Verhältnisse der Umlaufperioden zu den Abständen zu bestätigen und aus den Resultaten seiner Messungen zudem die Jupitermasse und die Lichtgeschwindigkeit abzuleiten. Als Instrument verwendete er ein 6″-Newton-Teleskop und eine DSLR-Kamera, mit der zu verschiedenen Zeitpunkten Jupiter und die Monde im Bild festgehalten wurden. Auf die Position der Lichtpunkte der Monde im Verhältnis zu Jupiter kam es ihm dabei an. Aus insgesamt 285 Aufnahmen bestimmte er in Pixelkoordinaten die Positionen von Jupiter und den Monden. Unter einigen vereinfachenden Voraussetzungen wie der Annahme, dass sich die Monde in der Ebene der Ekliptik und auf Kreisbahnen um den Planeten bewegen, fand er mittels einer selbst erstellten Auswertungssoftware das Gesetz von Kepler bestätigt. Aus 21 Aufnahmen, die in kurzer Zeit aufgenommen wurden, sodass der Abstand Erde-Jupiter und damit der Blickwinkel als konstant angesetzt werden konnte, ließen sich Messpunkte fast perfekt auf einer Sinuskurve auftragen, resultierend aus dem scheinbaren hin- und herpendeln der Monde, wie es von der Erde aus wahrgenommen wird. Neben den Umlaufzeiten ließ sich darauf aufbauend unter Berücksichtigung der Entfernung Erde-Jupiter schließlich aus allen Aufnahmen auch der Radius der Umlaufbahnen der Monde in guter Übereinstimmung mit dem Literaturwert bestimmen. Aus den Ergebnissen konnte dann mit dem Kepler‘schen Gesetz wiederum die Jupitermasse ermittelt werden. Die Lichtgeschwindigkeit und deren Endlichkeit nach der Methode von Ole Rømer zu bestimmen, basiert auf der Ausnutzung der Mondbewegungen des Jupiter als “Normaluhr”. Zwischen der geringsten Entfernung Erde-Jupiter am Oppositionspunkt und einer nahe der Konjunktion möglichst großen Entfernung Erde-Jupiter ist ein Laufzeitunterschied für die Beobachtung der berechneten Mondstellungen nachzuweisen, mit dem der Referent den Wert der Lichtgeschwindigkeit mit einem Fehler von 20% bestimmen konnte.
Meteore und deren systematische Beobachtung stellte Bernd Gährken in den Vordergrund seines Beitrags zur diesjährigen Tagung. Er hob hervor, dass im Bereich der Meteorbeobachtung Amateure noch immer wesentliche Beiträge zum wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn leisten, weil ein dichtes Netzwerk von Überwachungskameras und automatischen Auswertungsmöglichkeiten den Amateuren eine Auswertung von Massendaten über lange Zeiträume erlauben. Konkret berichtete er über die Beobachtung eines Impakts auf dem Mond, der mit ziemlicher Sicherheit den Quadrantiden zugeordnet werden konnte. Die Quadrantiden haben unter den Meteorströmen ein vergleichsweise scharf begrenztes Maximum. Gährken hatte im Vorfeld Impaktbeobachtungen der NASA studiert, die zeigen, dass sich Impakte mit einer höheren Wahrscheinlichkeit auf der Westseite des Mondes ereignen, diese Seite steht in Bewegungsrichtung der Bahn und hat offenkundig eine höhere Wahrscheinlichkeit für einen Impakt eines Meteors auf den Mond. Bernd Gährken überwachte den unbeleuchteten Teil des Mondes mit einer Videokamera an einem Januartag 2009, an dem der Mond im ersten Viertel stand in der Nähe des Ortes Bayrischzell. Steht der Mond 180 Grad gegenüber dem Radiant des Meteorstroms ist die Trefferwahrscheinlichkeit am höchsten, was am Beobachtungstag jedoch erst am Morgenhimmel der Fall war. Um sicherzustellen einen erkannten Lichtblitz als Ereignis auf dem Mond nachweisen zu können, wurde parallel von Otto Farago in Stuttgart der Mond ebenfalls beobachtet. Würde ein Lichtblitz nur auf einer Aufnahme erscheinen oder eine Parallaxe zeigen, wäre kein Impakt auf dem Mond beobachtet worden. Die Auswertung der erhaltenen über 100.000 Videobilder gestaltete sich schwierig, weil eine Auswertungssoftware der NASA sich als nicht geeignet erwies, allein schon wegen der Intoleranz gegenüber durchziehenden Wolken. So blieben die Daten zwei Jahre liegen, bis Bernd Gährken Zeit fand einmal “von Hand” durch die Einzelbilder zu klicken. War er sich aufgrund statistischer Überlegungen doch sicher, dass ein Impaktereignis zu finden sein sollte. Die Mühe wurde belohnt denn tatsächlich fand sich ein Lichtblitz auf 7 Einzelbildern, der auch in den Videos aus Stuttgart zu gleicher Zeit an gleicher Stelle nachweisbar war. Durch Überlagung der Aufnahmen konnte der ungefähre Ort des Impakts bestimmt werden. Eine Raumsonde in der Mondumlaufbahn könnte den Krater aufgrund der zu erwartenden Größe theoretisch nachweisen. Die Beobachter können sich rühmen, als erste Amateure außerhalb der USA einen von der NASA offiziell als Beobachtung bestätigten Impakt nachgewiesen zu haben, die komplette Liste ist im Internet unter http://www.nasa.gov/centers/marshall/news/lunar/independent_impact_candidates.html erreichbar.
Daniel Spitzer von der VdS-Fachgruppe Deep Sky ließ sich von den Besuchern der BoHeTa anhand praktischer Beispiele beim Anfertigen von Zeichnungen über die Schulter schauen. Er stellte seine Technik zum Festhalten von Sternhaufen, Deep-Sky-Objekten und des Mondes im Bild vor. Interessant dabei sicher auch ein Blick in den Werkzeugkasten. Exemplarisch stellte er die Zeichentechnik für verschiedene Objekte anhand von Schritt-für-Schritt-Bildern vor. Bei Feldsternen arbeitet er ausgehend von einem markanten Stern und reduziert das Gesehene auf regelmäßige geometrischen Formen wie etwa gleichschenklige Dreiecke, um weitere Sterne zu platzieren. Bei Deep-Sky-Objekten ist zunächst die wesentliche Form festzulegen. Es gilt das Prinzip dass das, was man zuerst sieht, auch zuerst gezeichnet wird. Weitere Details werden dann anhand der konzentrierten Beobachtung ergänzt. Wichtig ist bei Objekten mit Sternen im Feld einen Maßstab festzulegen. Er startet im Gegensatz zu anderen Beobachtern dabei mit nur einem Stern und zeichnet dann zunächst das Objekt, um sich beim Maßstab noch Freiheiten offen zu halten. Erst zum Schluss fügt er die weiteren Feldsterne ein. Die Rohskizze wird im Anschluss auf Fotokarton übertragen, hier stellte er unterschiedliche Möglichkeiten sowie deren Vorzüge und Nachteile anschaulich vor. Mondzeichnungen bringen das Problem sehr vieler abzubildender Details mit sich. Daniel Spitzer startet mit der wesentlichen Struktur und arbeitet dann von hellen nach dunkleren Details, ergänzt zum Abschluss dann Details in der Umgebung des eigentlichen Objekts, etwa eines Kraters. Neben den anschaulich nachvollziehbaren Schritt-für-Schritt-Beispielen zeigte er am Ende des Beitrags eine Galerie besonders gelungenener Zeichnungen.
Ein Milchstraßenpanorama selbst zu fotografieren, das hatte sich Jan Hattenbach vorgenommen. Sonst eher visueller Beobachter, sollten ein Panorama während der Beobachtung “nebenbei” entstehen. Nachdem eine erste Version noch mit stehender Kamera angefertigt wurde, stellte er auf der BoHeTa die Hintergründe für seine Version 2.0 eines solchen Panoramas dar. Die zweite Version war mit weit mehr Aufwand in Argentinien und Spanien aufgenommen worden, die Kamera wurde dabei mit einer EQ-1-Montierung nachgeführt, um längere Belichtungszeiten zu ermöglichen. Für eine erste Bewertung und um sicherzustellen, dass nichts vergessen wurde, setzte er die Aufnahmen noch vor Ort mit dem kostenlosen Tool Autostitch grob zusammen. Bestand das Panorama bei der ersten Version aus dem Jahr 2008 noch aus 7 Felder kombiniert aus je 10 Bildern, besteht die Version 2.0 aus dem Jahr 2011 aus 20 Feldern mit je 15 Bilder(120 s bei 800 ASA). 5 dieser 15 Bilder wurden dabei durch den Effektfikter Okin P840 leicht weichgezeichnet aufgenommen, um die Sterngrößen differenzierter darzustellen. Gestackt wurden die Einzelbilder mit Fitswork, die fertigen Feldbilder wurden dann mit der Open-Source Panorama Software Hugin Panomarama Photo Stitcher zum Gesamtpanorama zusammengesetzt. Der Referent führte verschiedene Arbeitsschritte und grundlegende Techniken mit dem Programm am Beispiel eines Ausschnitts aus seinen Aufnahmen vor und zeigte schließlich sein beeindruckendes Gesamtresultat.
“Astronomische Bewegungen im Zeitraffer” war das Thema, das Michael Kunze seinem Vortrag gegeben hatte. Zeitrafferaufnahmen, von ihm ursprünglich bei Reisen als astronomisches Betätigungsfeld gedacht, das dem Problem des Übergepäcks entgeht, hat er mit viel Zeit und Mühe perfektioniert und dramaturgisch entwickelt. Auch Ergebnisse aus seinem heimischen, astronomischen Schwerpunktfeld, der Aufnahme von Planeten und der Sonne, hatte er zu Zeitrafferaufnahmen kombiniert, sodass sich der Hörsaal der BoHeTa zum Kinsosaal wandelte. Die Aufnahmen der Himmelskörper des Sonnensystems wurden durchweg mit einem 10″-Newton angefertigt. Neben einer Rotation des Gasriesen Jupiter war auch eine Marssequenz über eine Oppositionsperiode mit festgelegtem Zentralmeridian zu sehen, sodass die Annäherung an die Erde und die Veränderungen insbesondere in der Nordplarregion bestens erkennbar war. Weitere Filme zeigten die Bewegung eines Kometen, die Granulation der Sonne im Weißlicht und die Dynamik der Filamente im H-Alpha-Licht sehr eindrucksvoll.
Ein Zufallsprodukt war da die Abbildung von geostationären Satelliten, die sich bei einer Strichspuraufnahme in den Schweizer Alpen deutlich als blinkende Schnur zeigten, begünstigt durch einen entsprechenden Sonnenstand. In den Schweizer Bergen hatte der Referent zudem die Möglichkeit genutzt, eine klare Nacht auf einer Bergstation in über 3.000 m Höhe mit mehreren Kameras festzuhalten und in einem beeindruckenden, mit Musik unterlegten Film zusammenzustellen. Den Abschluss bildete schließlich ein Film, der auf der Kanareninsel La Palma entstanden war. An insgesamt 5 Tagen hatte er Material aufgenommen und wie im Film zuvor Himmel und Landschaft reizvoll zu ausdrucksstarken Bildern miteinander verknüpft. In einigen Szenen wurde die Kamera während der Zeitrafferaufnahmen mit Hilfe eines selbst konstruierten Schlittens bewegt, sodass eine Kamerafahrt entsteht. Sehr reizvoll und auf der Website http://www.sky-in-motion.de nachzusehen, wenn auch nicht auf der Großbildleinwand der BoHeTa.
Stefan Krause beleuchtete in seinem Vortrag den Sonnenfinsterniszyklus Saros 133 und begab sich dabei anhand von Verlaufskarten auf einen Ritt durch die fernere und jüngere Geschichte der Astronomie. Im Fokus stand dabei Australien, denn dort findet am 13. November 2012 die Finsternis 45 von 72 aus diesem Zyklus statt, zu der sich wieder viele Sternfreunde auf den Weg machen werden. Zunächst ging der Referent jedoch auf historische Beobachtungen dieses Zyklus in Mitteleuropa und Australien ein und zeigte zeitgenössische Karten, Berichte und bildliche Darstellungen. Versiert wusste er rund um die Finsternisse so manche Anekdote zu berichten. Fast nebenbei deckte er dabei auch die Verwandtschaft und die Entwicklungen der Finsternisse innerhalb eines solchen Saroszyklus ein. Herausgestellt wurde unter anderem die Beobachtung der Finsternis vom 21. September 1922 in Australien, bei der die Sternpositionen in der Nähe der Sonne vermessen wurde, um durch deren Ablenkung im Vergleich zu den Positionen am Nachthimmel abseits der Sonne die Theorie Albert Einstein erstmals durch Messung zu bestätigen. Natürlich ging der Blick dann auch nach vorne auf die Totale Finsternis im November.
Im Rahmen der BoHeTa wird auch der Reiff-Preis für Amateur- und Schularbeit verliehen. Dr. Jakob Staude als Kurator der Reiff-Stiftung gab die Gewinner des Reiff-Förderpreises für Amateur und Schulastronomie bekannt. Wurde bisher ein einziger Hauptpreis vergeben, hat sich das Kuratorium beginnend mit diesem Jahr entschlossen drei Preise zu vergeben und zusätzlich einen Preis für Arbeitsgruppen in Grundschulen und Kindergärten einzurichten. Das Preisgeld konnte dafür erhöht werden. Prämiert wurden mit dem 1. Preis das Projekt “Die Sonne im Fokus”, eine fotografische Dokumentation der Sonnenaktivität über einen gesamten Zyklus, ein Projekt der Astronomie AG der integrierten Gesamtschule Senckenberg Schule Runkel/Villmar, betreut von Patrick Fitz in Kooperation mit der Amateursternwarte Limburg. Deren Leiter Peter Remmel nahm den Preis im Namen der AG entgegen. Mit dem 2. Preis wurde ausgezeichnet der Bau einer mobilen Sternwarte im Kofferanhänger, ein Projekt der Astronomie AG am Heinrich von Zügel Gymnasiums in Murrhardt. Betreuender Lehrer ist Marko Grob, die AG arbeitet bei diesem Projekt mit den Backnanger Sternguckern zusammen. Mit dem 3. Preis ausgezeichnet wurde das Projekt “Vermessung der Welt – ein Tagesprogramm für Schüler ohne Vorkenntnisse” vom Leistungskurs Physik im 12. Jahrgang des Heinrich Schliemann Gymnasiums in Berlin. Betreut von Fachlehrer Matthias Hesse wurde das Programm in Zusammenarbeit mit dem Schülerlabor UniLab der AG Didaktik der Physik entwickelt. Der Preis für Grundschul- und Kindergartenarbeit wurde Frau Ingrid Johanna Beutel von “Hannas Kinderstube” für die Entwicklung eines Sternbilderpuzzles zuerkannt, das 42 Sternbilder des Nordhimmels seh- und fühlbar kombinieren lässt.
Im Reiff-Vortrag, regelmäßig ein Thema aus der Profiastronomie, stellten die Referenten Dr. Sylvio Klose und Dr. Thomas Janka das Thema kosmische Gammablitze und deren Beobachtung vor und gaben einen Einblick in den aktuellen Forschungsstand. Während im ersten Vortragsteil Dr. Klose über die Möglichkeiten und Herausforderungen der Beobachtung berichtete, stellte Dr. Janke theoretische Ansätze und Modelle vor, welche die beobachteten Phänome erklären könnten. Dieses vergleichsweise junges Gebiet der Astronomie dreht sich um die zeitlich im Bereich einiger Sekunden bis Minuten eng begrenzten Ereignisse der Gamma Ray Bursts, die zu den hellsten und energiereichsten Ereignissen im Universum gehören. Erst die Erkenntnis, dass den Ereignissen in einem kurzen Zeitfenster ein Nachglühen im optischen sowie im Röntgenspektrum folgen kann, das in der Größenordnung von Tagen und Wochen langsam verblasst, ermöglichte über die Rotverschiebung im Spektrum eine Lokalisation. Teilweise stehen die Bursts auch in Verbindung mit Hypernovas. Geschwindigkeit ist der Schlüssel und die Beobachtung hat durch die Swift Satellitenmission zur Erfassung und Verortung der Bursts und die möglichst unmittelbare Beobachtung des Afterglow mit – teilweise automatisch sich ausrichtenden – optischen Instrumenten in jüngerer Zeit zu Daten und damit auch zu Erkenntnissen geführt. Unter anderem wird das Nachglühen mit einem 2,2-m-Teleskop in Chile beobachtet. Von etwa 1.000 bisher lokalisierten Bursts konnten etwa 500 Afterglows beobachtet werden, davon wieder in 250 Fällen die Rotverschiebung anhand der Spektren bestimmt werden. Weil die Helligkeit der Afterglows sehr schnell abnimmt, hätte man mit den üblichen Mitteln eines Amateurs nach einem Burst nur etwa 1.000 s Zeit, um das Objekt zu lokaliseren, Ausnahmen bestätigen aber auch dabei mal die Regel. Erst durch die Messung der Rotverschiebungen im Afterglow seit Ende der 80er-Jahre des vorigen Jahrhunderts konnte man die Ereignisse sicher als extragalaktisch deuten. Extrem energiereich und zugleich variabel in Dauer und Zeitverhalten, eine relativistische Expansion und offenbar kollimierte und relativistisch gebündelte Strahlung und Begleiterscheinungen wie das Nachglühen suchen aber auch nach Antworten nach dem “Was?”. Modelle sind mittlerweile gefunden, man vermutet die Entstehung eines stellaren Schwarzen Lochs, etwa durch die Verschmelzung von Neutronensternen, der Verschmelzung eines Neutronensterns und Schwarzen Lochs oder dem Kollaps eines massereichen Sternes. Ein spannendes und aktuelles Thema dem die Astronomen aktuell noch die letzten Geheimnisse durch Beobachtung und Modellbildung entreißen wollen.
Ein Reisebericht folgte unter dem Motto “In 21 Tagen um die Welt für Sonne Mond und Venus”. Jörg Schoppmeyer hatte sich im Mai 2012 von Frankfurt aus auf Flugreise um die Welt gemacht und dazu in seinen Koffer Montierung und Optik verstaut. Erster Ziel- und Beobachtungsort waren die Vereinigten Staaten, wo der Referent am 20. Mai eine ringförmige Sonnenfinsternis beobachten konnte. Von dort aus führte die Reise über Papeete auf den Polynesischen Inseln, weiter über Auckland in Neuseeland ins australische Sydney und von dort nach Alice Springs, um zum Ayers Rock zur Beobachtung einer partiellen Mondfinsternis am 4. Juni zu fahren. Zurück in Alice Springs wurde dann auch noch der Venustransit am 6. Juni in die Reise eingegliedert. Die Transitbeobachtung konnte sogar mit den Daten eines weiteren Beobachters, der in den USA zur gleichen Zeit Aufnahmen gemacht hatte, zur Bestimmung der Parallaxe und damit der astronomischen Einheit herangezogen werden. Dieses Nachvollziehen der historischen Bedeutung wurde demonstriert. Zahlreiche Bilder der Himmelsobjekte aber auch Erlebnisse und Anekdoten rund um die Reise rundeten diesen flugmeilenreichen Vortrag ab.
Eine persönliche Jahreschronik 2012 in Bildern bot Jens Leich, der mit einem 5″-APO-Refraktor in seiner Gartensternwarte vor allem Sonne und Planeten beobachtet. Dank fester Sternwarte konnte er beeindruckende 68 Beobachtungstage zwischen Januar und Oktober 2012 erzielen, deren Ergebnisse er chronologisch orientiert präsentierte. Bilder, Videos und Zeichnungen stellten einen bild- und eindrucksreichen, individuellen Durchgang durch den Jahreslauf dar.
Heiko Wilkens kam dann mit einem ganz anderen Anliegen. Er wirbt um Unterstützung für den Bau und Betrieb eines privaten Weltraumteleskops der 1-m-Klasse, das unter anderem für Amateurastronomen zur Verfügung stehen soll. Er nutzte das Auditorium der BoHeTa, um sich an die Amateurastronomen als Zielgruppe zu wenden und weitere Mitstreiter für diese Idee zu gewinnen. Dass es schon mehr als eine bloße Idee ist, stellte er in seinem Vortrag anhand von Analysen und ersten Entwürfen für ein Finanzierungsmodell dar. Den finanziellen Rahmen steckte er bei 80 bis 130 Millionen Euro ab. Im Gegensatz zu früheren Initiativen mit vergleichbarem Ziel, die sich ausschließlich auf die Amateur-Astronomen konzentrierten, setzten er und seine Mitstreiter auf eine Erweiterung der Zielgruppen wie etwa Bildungsinstitute und die Wissenschaft. Eine Parallele wurde zu privat betriebenen Satelliten der Amateurfunker gezogen. Spezifische astrotechnische – und damit finanzielle – Herausforderungen des Projekts wie die Anforderung an die Genauigkeit der Nachführung sowie das entstehende Datenvolumen, das günstig übertragen werden muss, sind noch zu lösen. Ein Betriebszentrum und ein Komitee sollen im kleinen Maßstab wie bei den Profiastronomen die Zuteilung der Beobachtungszeit regeln. Eine lebhafte Diskussion zeigte, dass dieses noch am Beginn stehende Projekt den Status einer reinen Vision schon verlassen hat.
Ein abschließenden Reisebericht zur Beobachtung des Venustransits im Norden Norwegens gaben Heinz Niermann und Dieter Petrich. Beobachtungsort war BerlevÃ¥g im Norden Norwegens. Freud und Leid lag auch hier zwischen Sonne und Wolken und für die Beobachtung des Transits musste man den Ort kurzfristig wechseln, nachdem am Vortag des Transits das Wetter umgeschlagen hatten. Ein Tipp vom Personal des Flughafens vor Ort brachte den entscheidenden Hinweise für eine schlußendlich erfolgreiche Beobachtung. Den eigentlichen Transit fassten die Referenten als Diashow in einer von Musik unterlegen Präsentation zusammen.
Mit dem Fazit, dass die BoHeTa nicht zuletzt aufgrund der guten Resonanz im bisherigen Stil eine Fortsetzung finden wird, schlossen die Organisatoren die Tagung, nicht ohne auf den nächsten Termin hinzuweisen, voraussichtlich am 16. November 2013 wird die BoHeTa wieder Anlaufpunkt für die Amateur-Astronomen sein. Auf der Website www.boheta.de werden die Veranstalter noch weiterführende Links zu den Vorträgen des Jahres 2012 platzieren.