Astrofoto-Wettbewerb des IAU Office of Astronomy for Education

Das Office of Astronomy for Education (OAE) der Internationalen Astronomischen Union (IAU) hat sich zum Ziel gesetzt, grundlegende astronomische Bildungsmaterialien für alle zur freien Nutzung zur Verfügung zu stellen. Zu diesem Zweck wurde ein Astrofoto-Wettbewerb mit Geldpreisen für Bildkategorien ins Leben gerufen, in denen zur Zeit nur wenige hochqualitative Aufnahmen unter Creative-Commons-Lizenzen zur Verfügung stehen.

Sie sind Astrofotograf*in – und würden gerne astronomische Bildungsarbeit zu unterstützen? Dann ist dieser Wettbewerb genau das Richtige für Sie: Das OAE schreibt bis zum 15. April 2021 einen Astrofotografie-Wettbewerb aus. Es winken Geldpreise, außerdem werden die Gewinnerbilder als frei verfügbare Bildungsmaterialien (engl. Open Educational Resources, kurz OER) Lehrkräften und Lernenden auf der ganzen Welt zur Verfügung gestellt.

Astronomieunterricht ist ein mächtiges Werkzeug, um Schüler*innen unseren Platz im Universum und den Stellenwert unseres Planeten zu vermitteln – Astronomie ist eine Einstiegswissenschaft in die MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik). Eines der Ziele des OAE ist es, Astronomielehrer*innen weltweit eine grundlegende Sammlung von qualitativ hochwertigen Bildungsressourcen zur Verfügung zu stellen. Während viele wertvolle Bilder bereits zur freien Nutzung verfügbar sind, haben wir eine Reihe von astronomiebezogenen Themen identifiziert, bei denen wir denken, dass Pädagog*innen Unterstützung gebrauchen könnten.

An dem Wettbewerb Teilnehmende können Bilder in den folgenden Kategorien einreichen: Strichspuren, Meteorschauer, Kometen, totale Mondfinsternisse, Lichtverschmutzung, Polarlichter (Standbilder und Zeitraffer), große Sternfelder, Sonnen- und Mond-Halos sowie Zeitraffer der Galileischen Monde, die den Jupiter umkreisen. Die eingesandten Bilder werden von einer internationalen Jury aus Astrofotograf*innen und Personen aus der astronomischen Bildungsarbeit bewertet. Neben ästhetischen und technischen Kriterien wird die Jury auch den pädagogischen Wert jedes Beitrags im Kontext des Unterrichts an Grund- und weiterführenden Schulen sorgfältig prüfen.

In jeder Kategorie wird es drei Gewinnerbeiträge geben, die mit Geldpreisen von 750, 500 und 250 Euro für den ersten, zweiten bzw. dritten Preis ausgezeichnet werden. Alle Gewinnerbeiträge werden in der OAE-Sammlung für astronomische Bildungsmaterialien unter der Creative-Commons-Lizenz Namensnennung 4.0 International (CC BY 4.0) veröffentlicht. (Die Autoren behalten weiterhin das Urheberrecht an ihren Bildern.)

Weitere Informationen zum Teilnahmeprozess sowie die Wettbewerbsregeln finden Sie auf der Webseite des Wettbewerbs (auf Englisch).

Stellungnahme zu Satellitenkonstellationen

Die Vereinigung der Sternfreunde, die Astronomische Gesellschaft und die Gesellschaft Deutschsprachiger Planetarien gehen mit dieser Stellungnahme auf die rasante Zunahme von Satelliten am Nachthimmel ein. Die künstlichen Satelliten bedeuten erhebliche Auswirkungen auf die Wahrnehmung des Sternhimmels und die Erforschung unseres Universums.

Da die Satelliten Sonnenlicht reflektieren, leuchten sie so hell wie Sterne und verursachen bei länger belichteten Aufnahmen Strichspuren am Sternhimmel. Bild: Andreas Hänel

Da die Satelliten Sonnenlicht reflektieren, leuchten sie so hell wie Sterne und verursachen bei länger belichteten Aufnahmen Strichspuren am Sternhimmel. Bild: Andreas Hänel

Astronomische Forschungseinrichtungen, Sternwarten und Planetarien haben in den vergangenen Monaten eine Vielzahl von teils besorgten Anfragen erhalten. Hintergrund sind die Satelliten der vom privaten US-Raumfahrtunternehmen SpaceX seit Mai 2019 massenhaft in mehreren Starts in die Erdumlaufbahn gebrachten Starlink-Satelliten, die in Gruppen über den Himmel ziehen.

SpaceX will mit Starlink eine satellitenbasierte Infrastruktur für Hochgeschwindigkeits-Internetanbindungen weltweit bereitstellen. Hierfür sind im endgültigen Ausbau der Konstellation über 30.000 Satelliten vorgesehen, was die Zahl aller bislang in der Erdumlaufbahn befindlichen Satelliten bei weitem übersteigt. Weitere Unternehmen wie OneWeb, Amazon und andere planen bzw. beginnen teilweise ähnliche Projekte. Auch bei deutschen Unternehmen gibt es entsprechende Planungen, große Zahlen von Mikrosatelliten billig in Erdumlaufbahnen zu starten. Die Astronomie ist sich der Bedeutung der Internetanbindung entlegener Regionen der Erde sowie weiterer technologischer Entwicklungen bewusst. Gleichwohl birgt die Umsetzung über den gewaltigen Zuwachs an künstlichen Satelliten am Himmel auch erhebliche Einschränkungen und Risiken, deren Folgen verantwortungsvoll abgewogen und möglichst reduziert werden müssen.

Für Astronominnen und Astronomen ist der Schutz des Sternhimmels als einzigartigem Kulturerbe der Menschheit ein zentrales Anliegen. Das Erleben dieses Naturwunders ist bereits jetzt in großen Teilen der Erde in höchstem Maße durch ineffiziente und übermäßige künstliche Beleuchtung stark beeinträchtigt. Ein ungetrübter Blick in den Sternhimmel wird durch die Vielzahl an Licht reflektierenden künstlichen Satelliten selbst in bislang von der Lichtverschmutzung weitgehend unbehelligten Regionen der Erde nicht mehr möglich sein. Bereits vor dem Start der ersten Starlink-Satelliten waren am Nachthimmel zahlreiche künstliche Satelliten beobachtbar. Mit zehntausenden zusätzlichen Objekten in der Erdumlaufbahn ist es ein realistisches Szenario, dass am Nachthimmel mehrere tausende über das Firmament ziehende Satelliten die Sternbeobachtung behindern. Ihre Zahl übersteigt dann die der mit bloßem Auge sichtbaren Sterne.

Dies wird den Nachthimmel, dessen Anblick die Menschheit seit Anbeginn fasziniert und inspiriert, für immer verändern. Zudem wird die Erforschung des Universums für die professionelle und Amateurastronomie erheblich beeinträchtigt. Aufnahmen von Nachtlandschaften und Himmelsobjekten, die seit jeher die Faszination der Astronomie in die Bevölkerung tragen und einen Beitrag zur Allgemeinbildung leisten, sind erheblich betroffen. Die Astronomie bildet die Grundlage für unsere Erforschung und Nutzung des Weltraums. Mit der Entwicklung hochentwickelter Observatorien wurden zahlreiche Fortschritte bei der Erforschung unseres Universums erzielt. Astronomische Beobachtungen mit modernen Teleskopen, die den Himmel durchmustern und in die Tiefen des Weltalls blicken und so unser Verständnis für das Universum fördern, werden aber durch die Vielzahl der Satelliten erheblich gestört. Zu nennen sind insbesondere alle Studien des dynamischen Universums. Bei optischen Teleskopen für empfindliche und häufige Weitwinkelaufnahmen (wie zum Beispiel beim zukünftigen Vera C. Rubin Observatory) wird es genauso Einflüsse geben wie bei der Verfolgung und Überwachung von Kleinkörpern im Sonnensystem, die potentiell auch mit der Erde kollidieren können. Neben der optischen Astronomie werden aber auch die Beobachtungen der Infrarot- und Radiostrahlung aus dem Weltall erheblich beeinträchtigt.

Die Radioastronomie wird ohnehin immer stärker von menschengemachten Signalen gestört, beispielsweise durch das stetig wachsende Mobilfunkaufkommen. Daher errichten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihre Observatorien in sehr abgelegenen Gebieten. Das Problem mit Störungen durch die Vielzahl der zu erwartenden Satelliten ist aber, dass diese rund um den Globus und damit selbst an den entlegensten Orten auf der Erde operieren und es somit auch für die Radioastronomie kein Entkommen gibt. Deutsche Forschende betreiben nicht nur Europas größtes Radioteleskop, das 100-m-Teleskop in Effelsberg nahe Bonn, sondern sie sind auch an einer großen Zahl von modernsten Radioobservatorien in der Welt beteiligt, wie etwa dem Atacama Large Millimeter Array (ALMA) oder dem im Bau befindlichen Square Kilometre Array (SKA) in Australien und Südafrika. Auch diese abgelegenen Standorte werden dann betroffen sein.

Auch für die bemannte und unbemannte Raumfahrt stellt die aktuelle Entwicklung ein Risiko dar, da mit ihr zwangsläufig die Gefahr von Kollisionen steigt.

Die Beeinträchtigung des Nachthimmels wirkt sich weltweit aus, doch die Genehmigung der Starts von Satelliten erfolgt ausschließlich durch nationale Behörden, wie der US-amerikanischen Federal Communications Commission. Wir bringen hiermit unsere Besorgnis darüber zum Ausdruck und rufen dazu auf, durch internationale Vereinbarungen beim zukünftigen Ausbau von Satellitenkonstellationen den Schutz des Nachthimmels über das gesamte elektromagnetische Spektrum als menschliches Kulturgut und Forschungsobjekt zu gewährleisten.

Weitere Informationen:

Initiative gegen Lichtverschmutzung: http://www.licht-verschmutzung.de

Kontakt:

Prof. Dr. Michael Kramer
Präsident der Astronomischen Gesellschaft
Tel.: +49 / (0) 228 / 525-278
E-Mail: praesident@astronomische-gesellschaft.de

Dr. Andreas Hänel
Fachgruppe Dark Sky der Vereinigung der Sternfreunde
Kommission Lichtverschmutzung der Astronomischen Gesellschaft
Tel. +49 / (0) 176 45898775
E-Mail: ahaenel@uos.de

Die Vereinigung der Sternfreunde e.V. (VdS)
Die Vereinigung der Sternfreunde e.V. (VdS) ist mit über 4000 Mitgliedern der größte Verein von Amateurastronomen im deutschsprachigen Raum. Sie widmet sich der Pflege und Förderung der Amateurastronomie durch Beratung und Erfahrungsaustausch bei der astronomischen Arbeit. Zudem fördert sie Kontakte zur Fachastronomie und die astronomische Volksbildung, etwa mit der Organisation des jährlich stattfindenden Astronomietags.
www.sternfreunde.de

Die Astronomische Gesellschaft (AG)
Die 1863 gegründete Astronomische Gesellschaft (AG) ist der Fachverband der deutschen Astronomie und Astrophysik. Die AG fördert Aktivitäten in Wissenschaft und Forschung, stärkt den Austausch zwischen ihren Mitgliedern, vermittelt Wissenschaft in die Öffentlichkeit und fördert die Bildung. Auf internationaler Ebene vertritt die AG die gemeinsamen Interessen der Astronominnen und Astronomen in der European Astronomical Society (EAS) und in der International Astronomical Union (IAU).
www.astronomische-gesellschaft.de

Die Gesellschaft Deutschsprachiger Planetarien e.V. (GDP)
Die Gesellschaft Deutschsprachiger Planetarien e.V. (GDP) wurde 2011 gegründet und ist die Interessenvertretung der deutschsprachigen Planetarien mit jährlich rund 2 Millionen Besuchern.
www.gdp-planetarium.org

Auf ein sternklares 2021!

Das neue Journal für Astronomie Nr. 76

Astrotourismus und Astrourlaub

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Astronomietag 20. März

Ein Ausflug in die Kraterlandschaft des Mondes

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Merkur am Abendhimmel

Im Jahr 2021 taucht Merkur zweimal am Abendhimmel auf. Die erste Gelegenheit ergibt sich gleich nach Mitte Januar. Merkur wird sich dann tief über dem Südwesthorizont zeigen. Je höher der sonnennächste Planet dabei steigt, desto mehr nimmt seine Helligkeit ab. Die beste Beobachtungszeit ist vom 19. bis 27. Januar.

Aufsuchkarte zur Abendsichtbarkeit von Merkur im Januar 2021

Aufsuchkarte zur Abendsichtbarkeit von Merkur im Januar 2021

Bereits vom 9. bis 11. Januar kommt es zu einer Begegnung von Merkur mit Jupiter und Saturn, die man aber nur bei sehr klarem Himmel, freier Sicht zum Südwesthorizont und Fernglas beobachten können wird. Während Jupiter und Saturn zunehmend in der Abenddämmerung verschwinden, schwingt sich Merkur zu einer Abendsichtbarkeit auf. In größter Elongation — dem maximalen Abstand zur Sonne am Himmel — steht Merkur am 24. Januar. Mit dem Aufsuchen kann man aber schon einige Tage vorher beginnen, da Merkur dann noch heller ist. Nach der Elongation nimmt die Helligkeit von Merkur schnell ab, so dass er sich kaum noch am hellen Dämmerungshimmel bemerkbar macht.

Die zweite und beste Abendsichtbarkeit in diesem Jahr findet von Anfang bis Mitte Mai statt.

Jupiter begegnet Saturn – enge Konjunktion am 21. Dezember 2020

Aufsuchkarte für Jupiter und Saturn am Abendhimmel des 21. Dezember 2020

Himmelsanblick am Abend des 21. Dezember 2020. Im Süden steht der zunehmende Halbmond, über dem Südwesthorizont leuchtet das enge Paar von Jupiter und Saturn

Jupiter und Saturn sind die zwei größten Planeten des Sonnensystems. Im Weltraum trennen sie durchschnittlich 660 Millionen Kilometer. Doch von der Erde aus gesehen können sich die beiden Gasriesen sehr nahe kommen. Dann überholt der schnellere Jupiter den ferneren Saturn auf der Innenbahn, was etwa alle 20 Jahre der Fall ist. Das diesjährige Überholmanöver ist etwas Besonderes: die beiden Planeten werden fast zu einem gemeinsamen Lichtpunkt verschmelzen.

Unter einer Konjunktion verstehen Astronomen die Begegnung von beweglichen Himmelskörpern wie dem Mond oder Planeten. Da sie mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten über den irdischen Himmel ziehen, kommt es mehrmals im Jahr zum Treffen von zwei oder mehr Teilnehmern. Eine Konjunktion von Jupiter und Saturn ist selten, sie findet nur alle 20 Jahre statt und wird “große Konjunktion” genannt. Zum letzten Mal haben sich die beiden am 31. Mai 2000 einander angenähert, standen aber zu nah an der Sonne, um am Nachthimmel sichtbar zu sein. Am 24. Juli 1981 waren die Verhältnisse günstiger, Jupiter und Saturn tauchten am späten Abendhimmel auf, waren aber mehr als ein Grad voneinander entfernt.

Jupiter und Saturn am 21. Dezember 2020 im Teleskop

Anblick von Jupiter und Saturn am 21. Dezember im Teleskop. Neben Jupiter sind die vier galileischen Monde zu sehen, rechts neben Saturn dessen hellster Mond Titan

In diesem Jahr sind Jupiter und Saturn bequem am Abendhimmel zu beobachten und kommen sich dabei bis auf ein Fünftel des Vollmonddurchmessers (6 Bogenminuten) nahe. Eine ähnlich enge große Konjunktion wird erst wieder am 15. März 2080 stattfinden, dann allerdings in der bereits hellen Morgendämmerung. Kurz: Die Konjunktion von Jupiter und Saturn am 21. Dezember 2020 ist die beste, die uns das Universum für lange Zeit zu bieten hat.

Derzeit stehen Jupiter und Saturn am abendlichen Südwesthimmel. Am 17. Dezember wird der zunehmende Mond an ihnen vorbeiziehen. Zur Beobachtung benötigt man kein Teleskop, Jupiter ist heller als die hellsten Sterne, Saturn ein wenig schwächer, beiden sind auf den ersten Blick zu erkennen. Der hellere Jupiter steht dabei links unterhalb des schwächeren Ringplaneten, am 21. Dezember wird man sie mit bloßem Auge kaum trennen können (Abb. 1).

Im Fernglas kann man neben Jupiter einige seiner vier großen Monde sehen. Für den Ring von Saturn wird dann aber doch ein Fernrohr mit mindestens 30-facher Vergrößerung benötigt, ein gutes Spektiv zur Naturbeobachtung leistet das bereits (Abb. 2).

Mit jedem Tag wird der Abstand zwischen Jupiter und Saturn bis zum 21.12. kleiner und nimmt anschließend wieder zu. Wer Pech mit dem Wetter hat, kann es auch am 20. oder 22. Dezember versuchen, dann ist die Distanz nicht viel größer als am 21.


Abstand zwischen Jupiter und Saturn:
14.12.2020: 49‘
15.12.2020 : 43‘
16.12.2020 : 36‘
17.12.2020 : 29‘
18.12.2020 : 22‘
19.12.2020 : 15‘
20.12.2020 : 10‘
21.12.2020 : 6‘
22.12.2020 : 9‘
23.12.2020 : 14‘
24.12.2020 : 21‘
25.12.2020 : 27‘
26.12.2020 : 34‘

Livestreams im Internet:

Sternschnuppen aus den Zwillingen – die Geminiden kommen

Aufsuchkarte des Radiants der Geminiden

Die Sternschnuppen der Geminiden scheinen dem Sternbild Zwillinge zu entspringen. Ihr Ausstrahlungspunkt wird „Radiant“ genannt – zu sehen sind sie aber in weiten Teilen des Nachthimmels

Sie wurden nach dem Sternbild Zwillinge benannt: Die “Geminiden” sorgen Mitte Dezember für einen schönes Sternschnuppenschauspiel. Mit bis zu 150 Meteoren pro Stunde gelten die Geminiden als reichster Strom des Jahres. In diesem Jahr ist am 14. Dezember Neumond, so dass kein Mondlicht den Nachthimmel aufhellt.

Das Maximum der Geminiden fällt in die Nacht von Sonntag, den 13., auf Montag, den 14. Dezember. Die Zwillinge gehen bereits in den Abendstunden am Osthimmel auf, daher ist die ganze Nacht über mit Sternschnuppen zu rechnen. Wer die Zwillinge nicht kennt: sie stehen genau links oberhalb vom Orion. Besonders hell sind ihre zwei Hauptsterne Kastor und Pollux, ein aus der griechischen Mythologie bekanntes Zwillingspaar. Der scheinbare Ausstrahlungspunkt der Sternschnuppen (Fachsprache: der Radiant) liegt knapp über Kastor, dem oberen der beiden Zwillingssterne. Das ist aber nur ein perspektivischer Effekt wie bei einer Autofahrt durch einen Schneeschauer.

Der Grund für das vermehrte Auftreten der Sternschnuppen ist das Durchqueren der Erde einer kosmischen Staubwolke, die vermutlich vom Kleinplaneten “Phaethon” hinterlassen wurde – möglicherweise ist dieser Asteroid zerbrochen und hat Trümmerteile auf seiner Bahn hinterlassen, die beim Eindringen in die Erdatmosphäre als Sternschnuppen verglühen.

Im Gegensatz zu den bekannten Perseiden-Sternschnuppen im Sommer muss man bei den Geminiden nicht bis nach Mitternacht warten, um die meisten zu sehen. Sobald es dunkel wird, kann man neugierig nach ihnen Ausschau halten. Ein freier Blick nach Osten ist dann von Vorteil, im Laufe der Nacht stehen die Zwillinge hoch im Süden, am Montagmorgen streben sie im Nordwesten ihrem Untergang entgegen.

Neue dunkle Struktur auf dem Mars

Mars am 22. Oktober 2020Auf Spaceweather.com erschien am 25. Oktober 2020 die Information über eine neue dunkle Struktur nahe am Mars-Vulkan Arsia Mons, die erstmalig am 22.10. beobachtet wurde.

Die Natur dieser Albedo-Struktur ist noch unklar. Sie zeigt aber eine erkennbar längliche Form, wenn sie sich mit der Planetenrotation vom Mars-Rand entfernt.

Anbei ein Foto vom 22. Oktober, welches die Struktur im Morgendunst des Sonnenaufgangsterminators zeigt. Die drei Mars-Vulkane der Tharsis-Region sind ebenfalls zu sehen, der südlichste davon ist Arsia Mons.

Es lohnt sich sicherlich, dieses Phänomen weiter zu verfolgen, auch für Sternfreunde mit Instrumenten ab ca. 150 mm Öffnung aufwärts. Visuelle Sichtungen sind noch nicht bekannt.

Update vom 17. November 2020:

Mars am 17. November 2020Die neue dunkle Struktur auf dem Mars in der Nähe des Vulkans Arsia Mons in der Tharsis-Region, über die Spaceweather.com berichtet hatte, und von der wir ein Foto vom 22.10.2020 unten zeigten, ist verschwunden. Bereits am 24.10. war nichts mehr davon zu entdecken, wie ein Bild herausragender Qualität von Damian Peach zeigt.

In Mitteleuropa war die Region einige Zeit nicht sichtbar, weil sie sich zu unseren Nachtzeiten auf der Mars-Rückseite befand. Am 14.11.2020 gelang mir wieder ein Foto der Region, allerdings waren die Beobachtungsbedingungen wegen durchziehender Wolken mehr als schlecht. Die beiden Pfeile im Bild markieren die fragliche Region.

Ein mögliche Erklärung dieses kurzzeitgen Phänomens besteht darin, dass der Einschlag eines kleinen Himmelskörpers auf der Marsoberfläche eine dichte Staubwolke hoch steigen ließ, die, dicht am Morgenterminator gelegen, einen lang gestreckten von der Erde aus sichtbaren Schatten warf.

Beobachtungstipps zur Langen Nacht der Planeten am 24. Oktober 2020

“Die lange Nacht der Planeten” lautet das Motto zum Astronomietag am 24. Oktober. Und tatsächlich sind Venus, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun am Nachthimmel vertreten. Nur Merkur versteckt sich nah bei der Sonne. Hier einige Beobachtungstipps. was uns der Himmel an diesem Tag alles bietet.

Venus am Taghimmel
Sehr klaren Himmel und freien Blick nach Süden vorausgesetzt, kann man ab den späteren Vormittagsstunden nach Venus Ausschau halten. Venus kulminiert gegen 11 Uhr und zeigt im Teleskop ein rund 14 Bogensekunden kleines Scheibchen.

Die Sonne
Für die Sonnenbeobachtung gelten die üblichen Vorsichtsmaßnahmen: nur mit sicherem Sonnenfilter, Herschelkeil oder Spezialteleskop beobachten. Derzeit ist auf der Sonne im Südwesten ein Fleck zu sehen, der Satellit SDO zeigt die aktuelle Position. Wer über ein H-alpha-Teleskop verfügt, kann einige Protuberanzen entdecken.

Dann heißt es: warten, bis es dunkel wird. Die Sonne geht um 18:15 Uhr unter, ab 18:30 Uhr kann man Jupiter und anschließend Saturn ins Visier nehmen.

Jupiter
Schon recht tief über dem südwestlichen Abendhorizont, wird man an diesem Abend neben Jupiter dessen vier größten Monde sehen. Von links nach rechts sind das Ganymed, Io, (Jupiter), Europa und Kallisto.

Saturn
Nicht weit von Jupiter entfernt steht Saturn. Den berühmten Ring sollte man trotz des tiefen Stands gut erkennen können, und bei ruhiger Luft auch den Schattenwurf des Planeten auf dem Ring. Der hellste Saturnmond Titan steht (im nicht umkehrenden Fernrohr) links unterhalb von Saturn.

Mond und Sternbedeckung
Während Jupiter und Saturn langsam unter gehen, steigt der Mond im Südosten immer höher. Es ist ein Tag nach dem ersten Viertel, am Terminator finden sich viele eindrucksvolle Krater mit ihren Schatten. Kurz nach 21:30 Uhr bedeckt der Mond mit seiner dunklen Seiten einen Stern der Helligkeit 7,2 mag — das ist auch in einem kleinen Teleskop gut zu verfolgen. Herausforderung: das Verschwinden des Sterns genau beobachten und die exakte Zeit notieren, denn diese ist je nach Beobachtungsort unterschiedlich.

Neptun
Um 22:30 Uhr wird Neptun seine höchste Stellung im Süden einnehmen, der blasse Planet kulminiert. Er steht nicht weit vom Stern phi Aquarii (Wassermann) mit 4,2 mag entfernt. Neptuns hellsten Mond Titan mit 13,5 mag zu sehen oder zu fotografieren ist eine Challenge für die Profis unter den Amateuren.

Mars mit Monden
Eine noch größere Herausforderung ist die Beobachtung der Marsmonde Phobos (10,8 mag) und Deimos (11,9 mag). Gegen 23 Uhr stehen beide in günstiger Elongation — die Planetenfotografen unter uns können einen Versuch wagen. Ansonsten ist Mars zehn Tage nach seiner diesjährigen Opposition natürlich selbst einen Blick wert — mit dem bloßem Auge als hellster “Stern” am Himmel und im Teleskop mit zarten Oberflächenstrukturen.

Uranus
Gegen 1:30 Uhr erreicht Uranus seine Kulmination. Mit 5,7 mag ist er ein Fernglasobjekt, seine Monde mit 14-15 mag wieder etwas für Spezialisten.

Mira
Zwischen die Planetenparade schiebt sich ein Stern: Mira, der langperiodische Veränderliche im Walfisch erreicht in diesen Tagen seine maximale Helligkeit. Mit 3,5 bis 3 mag ist Mira leicht zu erkennen.
Da Mars, Uranus und Mira nicht weit voneiander entfernt stehen, kann man sie in einer Übersichtsaufnahme zusammen fotografieren. Am besten mit einem Normal- oder leichten Weitwinkelobjektiv. Mars stellt man dazu auf halber Höhe in den rechten Teil des Bildfeldes und belichtet dann mit 1000 ISO oder mehr einige Sekunden lang (Kamera auf einem Stativ). Wer später das Bild genau anschaut, entdeckt vielleicht den Kleinplaneten mit der Nummer 8 namens Flora, denn Flora wird Anfang November in einer besonders günstigen Opposition stehen und ist am 24.10. bereits 8,1 mag hell.

Zurück zur Normalzeit
Wer es tatsächlich bis 3 Uhr Sommerzeit aushält, darf dann an der Uhr drehen und sie auf 2 Uhr Mitteleuropäische Zeit zurückstellen. Diese Nacht ist daher gefühlt eine Stunde länger, tatsächlich natürlich nicht.

Abschied im Morgengrauen
Die lange Nacht der Planeten bietet in den Morgenstunden ein letztes Highlight: Venus geht strahlend hell über dem Osthorizont auf. Spätestens dann hat der heutige Spaß mit den Sternen ein Ende und wir Hobbyastronomen dürfen verdient in die Federn sinken.

Wir wünschen allen klaren Himmel und viel Erfolg!
Bilder und Beobachtungserlebnisse teilen wir gerne auf Facebook und auf Twitter. Wer einen Beobachtungsbericht für das VdS-Journal schreiben möchte, schickt ihn bitte an die Geschäftsstelle: service@vds-astro.de.