16. Juni: Mond begegnet wieder Spica

Liebe Sternfreunde, nahe Begegnungen des Mondes mit Spica (und auch anderen prominenten Objekten) treten in Serien auf, die sich aller 18 Jahre wiederholen. Ursache ist der Umlauf des Mondknotens, der 18,6 Jahre benötigt. Im Moment kommt es regelmäßig zu Begegnungen mit dem hellsten Stern der Jungfrau, ich hatte schon im April davon berichtet. Am Abend des 16. Juni ist es wieder so weit.

Dargestellt ist die Situation gegen 22.30 h. Der helle Mond überstrahlt wahrscheinlich Spica für den Anblick für das freie Auge, ein kleines Fernglas zeigt alles besser.
Die engste Begegnung findet gegen 20.30h statt: Dann steht die Sonne noch am Himmel. Da der Mond aber leicht zu finden ist, lohnt es sich, einmal mit dem Teleskop hinzuschauen. Es sollte kein Problem sein, einen Stern 1. Größe am Taghimmel zu sehen. Ein Rotfilter hilft, das blaue Himmelslicht zu dämpfen.

Euer Uwe Pilz.

11./12. Juni: Asteroid Isis ist sehr hell und leicht zu finden

Liebe Sternfreunde, der Asteroid Isis kommt Anfang Juli in Opposition und wird 9,6 mag hell – so kräftig wie selten. Schon jetzt ist er als 10-mag-Sternlein leicht in einem kleinen Teleskop oder größeren Feldstecher zu finden. Besonders leicht geht das in der Nacht vom 11. auf den 12. Juni: Er steht dann nur wenige Bogenminuten von einem 6-mag-Stern im Schützen entfernt.

Auch in der Nacht vom 12. auf den 13. Juni ist er noch ziemlich in der Nähe zu finden, allerdings hat sich der Abstand auf 8 Bogenminuten vergrößert: Immer noch sehr nahe.
Euer Uwe Pilz

Schwarzes Loch in unserer Nachbarschaft: Begleit-Stern im 4-Zöller sichtbar!

Liebe Sternfreunde,
die Juli-Ausgabe von Sterne und Weltraum berichtet über ein sog. Stellares Schwarzes Loch mit dem Namen Gaia BH3. Die „stellare“ Variante sind die leichtesten dieser Singularitäten und sind viel leichter als diejenigen im Zentrum von Galaxien. Die leichteren Geschwister entstehen beim Kollaps von massereichen Sternen

Schwarze Löcher sind per se unsichtbar; aber selbst ihre nähere Umgebung ist für Amateure meist unbeobachtbar: Das Zentrum der Galaxien ist von dichten Staub- und Sternwolken umgeben. Stellare Schwarze Löcher hingegen sind oft so weit entfernt, dass wir mit kleinen Instrumenten nichts von der Umgebung sehen können.

Wir haben aber zumindest in einem Fall Glück: Gaia BH3 ist nur 2000 Lichtjahre entfernt. Es wurde entdeckt, weil es mit einem 11-mag-Stern einen Doppelstern bilden. Die Analyse der Bahn zeigte die Rotation um ein Objekt von 33 Sonnenmassen: Das musste ein Schwarzes Loch sein. Klaus Wenzel aus Großostheim hat diesen Begleitstern bereits fotografiert, das Bild ist im SuW-Aufsatz enthalten.

Die Koordinaten sind R.A. (J2000.0) = 19h 39m 18,72s Dek = +14° 55′ 54,2″, die Angabe in S&W enthält einen Fehler. Ausgangspunkt des Aufsuchens ist der 6-mag-Stern ε Sagittae am Westendes des Sternbildes Pfeil. In dessen Nähe erreicht man einen 8-mag-Stern. Die zweite Karte zeigt den Starhop zu unserem Kandidaten.

Selbst wenn man die Singularität selbst nicht sehen kann: Eine Himmelsregion aufzusuchen, in der etwas physikalisch so völlig „unirdisches“ geschieht, halte ich für reizvoll.

Aufsuchkarte für die Benutzung am Teleskop. Der 8-mag-Stern hat die Koordinaten R.A. = 19h 37m 17,84s Dek= 15° 15′ 2.4″ und ist auf S. 42 des Interstellarum-Deep-Sky Atlas abgebildet – inmitten des Nebels LDN 720

Euer Uwe Pilz.

4. Juni: Maximum δ Cephei

Liebe Sternfreunde, δ Cephei ist der Namensgeber einer ganzen Klasse von veränderlichen Sternen. In diesem Fall ist das physikalische Geschehen wirklich interessant: Der Stern pulsiert! Und ändert damit sowohl die Helligkeit als auch die Temperatur, sichtbar im Spektrum. Die Periode beträgt 5,3 Tage: Es scheint zunächst, als ob wir das Helligkeitsmaximum recht oft beobachten können. Ganz so häufig ist es jedoch nicht, weil das Ereignis am Taghimmel stattfinden kann oder der Kepheus ungünstig am Himmel steht.
Am 4. Juni morgen um 1.17 h MESZ ist eine gute Gelegenheit, die zu beobachten

Der Kepheus steht hoch am Himmel, δ ist ein einfaches Ziel mit dem freien Auge. Er wird in dieser Nacht 3,5 mag hell – im Vergleich zu 4,3 mag im Minimum. Dieser Unterschied fällt sofort auf. Als Vergleichssterne können υ und ζ Cephei dienen, sie sind 4,5 und 3,6 mag hell. Ich habe sie in der Karte markiert.
Zum Nachweis der Variabilität muss man den Stern wenigstens noch in einer anderen Nacht beobachten. Ich empfehle, den Kepheus immer anzuschauen, wenn er am Himmel steht: Dann fällt das kleine Wunder des hellen Sterns δ erst richtig auf.

Es ist auch eine gute Idee, die Himmelsregion einfach mit einem Smartphone abzulichten. Die modernen Geräte können das, alle die über einen Nachtmodus verfügen. Eventuell muss man für eine stabile Auflage sorgen, das lässt sich aber improvisieren.

Viel Erfolg, euer Uwe Pilz

2. Juni: (43) Ariadne ist hell und leicht zu finden

Liebe Sternfreunde,

der Asteroid (43) Ariadne erreicht Anfang Juni seine Opposition. Die Bahngeometrie ist diesmal besonders günstig, der Abstand zur Erde beträgt nur 0,85 Astronomische Einheiten und er wird knapp 9 mag hell und im Fernglas sichtbar. Das ist nicht immer so: Zu anderen Oppositionen kann er gerade so die 11. Größenklasse erreichbar. Die Nacht vom 2. auf den 3. Juni ist für seine Beobachtung besonders günstig, da er einem 9-mag-Stern nahesteht. Ausgangspunkt für das Aufsuchen kann α Scopii dienen, Ariadne steht 4 Grad entfernt.

Die Region steht nicht allzu hoch über dem Horizont und steht gegen kurz vor 2 Uhr am höchsten. Ab Mitternacht kann man aber mit der Beobachtung beginnen. Viel Erfolg!

Euer Uwe Pilz.

31. Mai: Mond begenet Saturn

Liebe Sternfreunde, am Morgen des 31. Mai steht der Mond 4 Grad neben Saturn. Die beste Beobachtungszeit ist gegen 3.30 h MESZ, dann stehen die beiden etwa in 10 Grad Höhe, während sich die Sonne noch 10 Grad unter dem Horizont befindet.

Mars ist gerade aufgegangen und wird in der nächsten halben Stunde deutlich sichtbar.
Euer Uwe Pilz.

28. Mai: „Polarlicht-Sonnenfleck“ erscheint wieder

Liebe Sternfreunde,

für das große Polarlicht am 11. Mai war eine Fleckengruppe verantwortlich, die einige Tage vorher mitten auf der Sonne lag: Der von ihr ausgehende Massenauswurf bewegte sich direkt in Richtung Erde. Die Gruppe war seinerzeit als Aktive Region 3664 gekennzeichnet. Ich habe sie am 9. Mai gezeichnet, und ein paar Tage später verschwand die Gruppe am Sonnenrand.
Jetzt ist sie wieder aufgetaucht. Traditionell erhält sie dann eine neue Nummer, diese ist aber bisher noch nicht vergeben.

(Links: 28. Mai, rechts 11. Mai, beide seitenverkehrt)

Es lohnt sich, hinzuschauen, das kleinste Fernrohr genügt. Das Licht der Sonne muss gedämpft werden, am einfachsten geht dies mit einem selbstgebastelten Filter aus Sonnenfilterfolie. Solche Folie ist auch für Ferngläser geeignet, auch damit wird man diese Fleckengruppe in den nächsten Tagen sehen. Schaut hin!
Euer Uwe Pilz

Am Morgen des 26. Mai: Cepheiden-Stern η Aquilae im Maximum

Liebe Sternfreunde,

η Aquilae ist ein Veränderlicher Stern. Der Grund: Der Stern pulsiert, weil er sich in einer instabilen Entwicklungsphase befindet. Er gehört zur Klasse der Cepheiden, welche nach dem ebenfalls pulsierenden δ Cephei benannt sind.
Die Periode der Schwankungen beträgt 7,2 Tage, Maxima treten also ca. einmal in der Woche ein. Allerdings macht uns der Tagesbruchteil zu schaffen: Nicht immer befindet sich der Stern in einer günstigen Position am Himmel. Am Morgen des 26. Mai klappt es jedoch: Das Maximum ist für 2.50 h MESZ vorhergesagt. Der Himmel ist dann noch ausreichend dunkel, und der Adler steht hoch im Südosten.

Die Helligkeit erreicht dann 3m4, anstatt nur 4m4. Als Vergleichssterne können δ und ι Cephei dienen. Sie haben Helligkeiten von 3m4 und 4m3. Viel Erfolg!

Euer Uwe Pilz.

23./24. Mai: Vollmond begegnet Antares

Liebe Sternfreunde,
in der Nacht vom 23. zum 24. Mai begegnet der Vollmond dem hellen Antares. Am besten beobachten lässt sich dies, wenn beide kulminieren, das ist gegen 1.30 h MESZ der Fall. Der Mond steht 2° vom „Gegenmars“ entfernt:

Die größte Annäherung ist vom deutschen Sprachraum nicht zu beobachten. Wer „bis zuletzt“ ausharrt, kann gegen 4 Uhr erleben, dass die beiden nur noch 1 Grad auseinanderstehen.
In weiten Teilen des Nordamerikanischen Kontinents lässt sich sogar die Bedeckung den hellen Stern sehen. Wir bleiben davon doppelt ausgesperrt, eine Bedeckung findet für unsere Breiten nicht statt – und untergegangen sind die beiden ohnehin.

Trotzdem lohnt es sich hinzuschauen. Ein Fernglas zeigt alles ein wenig deutlicher als das freie Auge.

Euer Uwe Pilz.

19. Mai: Asteroid (2) Pallas in Opposition

Liebe Sternfreunde, der Asteroid Pallas erreicht die Opposition und damit für dieses Mal seine größte Helligkeit von 9 mag. Damit ist der Kleinkörper im Fernglas zu sehen. Er steht in prominenter Umgebung von Nördlicher Krone und Herkules.

Innerhalb einiger Tage lässt sich die Bewegung am Himmel nachweisen. Ein nahestehender Stern von 7,5 mag ist auch im Fernglas sichtbar: Auch hierfür ist kein Teleskop nötig.

Euer Uwe Pilz.