8. Juli: Sternbedeckung mit bloßem Auge zu beobachten

8. Juli 2010 - g.grutzeck

Am 8. Juli 2010 steht am späten Abend ein ganz außergewöhnliches Ereignis an. Der mit bloßem Auge sichtbare, 2.7 mag hellen Stern delta Oph im Sternbild Schlangenträger wird von dem nur 13.5 mag hellen Asteroiden (472) Roma bedeckt. Der etwa 51 km große Asteroid schiebt sich gegen 23:57 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit vor den Stern. Die erwartete maximale Bedeckungsdauer beträgt 5,6 Sekunden. In dieser Zeit "verschwindet" der Stern in einem Gebiet, dessen Zentrallinie sich in Deutschland Berechnungen zufolge über Essen und Hamburg zieht, kurzzeitig am Himmel. Nur selten wird ein so heller Stern bedeckt.
Für die Sternbedeckung um kurz vor Mitternacht hat die Fachgruppe Sternbedeckungen der VdS in der aktuellen Ausgabe 34 und der vorherigen Ausgabe des VdS Journals für Astronomie Beobachtungstipps veröffentlicht, die sich in Auszügen auch auf der Website der Fachgruppe zusammen mit aktuellen Karten der voraussichtlichen Zone in Deutschland finden, in der die Bedeckung zu beobachten sein wird.
Unter diesem Link findet man den Pfadverlauf überlagert auf Google Maps, so dass man für individuelle Orte bestimmen kann, ob man in der Finsterniszone liegt. Positioniert man das in der Mitte eingeblendete Fadenkreuz über dem Beobachtungsort, wird unterhalb der Karte die Distanz zur Mitte des berechneten Finsternispfades (in der Karte grün dargestellt) angegeben.
Erfahrene Beobachter mit können mit einer Messung der Verfinsterung einen Beitrag zur genaueren Bestimmung der Dimensionen des Asteroiden leisten, denn aus den Beobachtungen an verschiedenen Standorten kann auf die Form des Himmelskörpers rückgeschlossen werden. Auf der Website der Fachgruppe findet sich ein Beobachtungsprotokoll.
Wer ein Teleskop mit Nachführung und eine Webcam oder eine über eine Videokarte mit einem PC verbundene Kamera mit Livebildfunktion besitzt, kann die Finsternis auch per Videoaufzeichnung am PC dokumentieren. Weil es auf die exakte Zeit ankommt, eignet sich beispielsweise die Kombination der folgenden Freeware-Programme:
Synchronisierung der PC-Systemuhr mit der Atomuhr in Braunschweig (Internetverbindung zu dieser  Zeit noch erforderlich) mit Allzeit Atomzeit, nach der Beobachtung nochmaliger Abgleich der Systemzeit mit einer DCF-Uhr (KEINE erneute Synchronisation, um Abweichungen bestimmen zu können)
 Aufzeichnen des Videosignals der Kamera mit dem Bild des Sterns als AVI-Datei und Einblenden der aktuellen, sekundengenauen Systemzeit mit Capture Flux (F2 drücken, Videoquelle wählen, dann ALT-I drücken und "Real" sowie "Permanently" einstellen, unbedingt mit der eigenen Ausrüstung vorab testen!)
Auswerten des AVI-Videos framegenau mit Virtual Dub. Die Zahl der Frames in einer Sekunde (Zeit bis zum Umspringen der im Video eingebetteten Sekundenanzeige) ermitteln, um Zwischenwerte angeben zu können. Genaue Zeit der Verfinsterung ausmessen.
Viel Erfolg bei der Beobachtung!