Vielseitige Einblicke und Eindrücke bei der Würzburger Frühjahrstagung

28. April 2013 - g.grutzeck

Der Auftakt der 37. Ausgabe der Würzburger Frühjahrstagung war vielsagend: Das Organisations-Team des Würzburger Friedrich-Koenig-Gymnasiums (FKG) stellte im Vortragsraum noch schnell eine zusätzliche Reihe mit Tischen und Stühlen bereit. Das Auditorium war von Beginn an bestens besetzt und etwas mehr als 90 Besucher hatten sich eingefunden. Im dritten Jahr am neuen Ort stieß die Tagung auf breite Resonanz, und zufriedene Besucher konnten ein abwechslungsreiches Tagungsprogramm voller Anregungen verfolgen und genießen.
Darüber freute sich natürlich auch Otto Guthier, der im Namen der Vereinigung der Sternfreunde die Besucher begrüßte. Dr. Siegfried Rose, Schulleiter des gastgebenden FKG, sah dann auch die Würzburger Frühjahrstagung auf dem Weg zu einer neuen Tradition. Er drückte zugleich seinen Stolz und seine Freude darüber aus, dass zwei Schüler des FKG einen Beitrag zum Vortragsprogramm leisten und erste Ergebnisse des Naturwissenschaftlichen Labors in Zusammenarbeit mit der Universität Würzburg vorstellen konnten.
Eröffnet wurden die Vorträge mit einem Beitrag von Dr. Dominik Elsässer. Er war für den erkrankten, auf dem Weg der Besserung befindlichen Prof. Dr. Hanns Ruder eingesprungen. Elsässer hatte das Thema Beobachtungsmethoden der modernen Astrophysik ausgewählt. Die Beobachtung des Himmels bei verschiedenen Wellenlängen, speziell der Gammastrahlung, stand im Mittelpunkt. Unter anderem demonstrierte er das Prinzip, wie man über die Tscherenkov-Strahlung Teilchenschauer auf der Erde beobachten und damit indirekt die hochenergetischen Gammastrahlen mit der Atmosphäre als Detektor nachweisen kann. [1] [2] Die Beobachtungen werden bei der Suche nach der Natur der Quellen dann mit Beobachtungen unter anderem im visuellen Bereich kombiniert. Er verwies in diesem Zusammenhang auf das ROTAT Teleskop in Südfrankreich [3] und schlug auch eine Brücke zum Naturwissenschaftlichen Labor am FKG in Kooperation mit der Universität Würzburg [4].
Bernd Gärken besprach das Phänomen der Oppositionseffekte im Universum, bei dem Himmelskörper, die von der Erde aus exakt der Sonne gegenüber stehen, noch einmal deutlich heller erscheinen. Das Phänomen basiert wesentlich auf verborgenen Schatten (Shadow-Hiding) und kohärenter Rückstrahlung. Während vielen das Phänomen nur vom Erdenmond bekannt ist, erweiterte Gärken die Beobachtung auf die Monde von Jupiter und Uranus. Selbst der Nachweis der Uranusringe an einem 80-cm-Spiegel ist ihm nach vielen Versuchen unter Ausnutzung des Oppositionseffektes gelungen. [5]
Viel zu sehen gab es beim Vortrag von Michael Kunze. “Zittern bis zur Finsternis” hatte er den Vortrag über seine Reise zur Totalen Sonnenfinsternis übertitelt und nahm das Auditorium auch mit auf die Reise zu weiteren Sehenswürdigkeiten des Kontinents “Down Under”. Neben Bildern des astronomischen Hauptereignisses, hatte er seine Kamera immer wieder aufgestellt und Einzelaufnahmen zu Zeitraffervideos zusammengesetzt. Himmel, Natur und Städte verknüpften sich in beeindruckenden Bildern. [6]
Dr. Lothar Schanne gab einen Überblick über Grundlagen und Möglichkeiten spektroskopischer Beobachtungen und warb dafür, sich mit diesem Fachgebiet zu beschäftigen. Angefangen bei einem einfachen Linienfilter bis zum Spaltspektrographen zeigte er verschieden aufwendige Beobachtungsmittel und exemplarische Ergebnisse. [7]
Dr. Uwe Pilz referierte aus aktuellem Anlass über die Beobachtung heller Kometen. Wird ISON der hellste Komet aller Zeiten? Uwe Pilz zeigte Modelle und verwies darauf, dass man erst im September sinnvolle Prognosen erstellen könne und letztlich eine gewisse Unberechenbarkeit auch dazu gehört. Dennoch gab er eine Prognose ab. In seinem Vortrag zeigte er anhand von Beispielen auch Phänomene auf, die sich bei hellen Kometen überhaupt beobachten lassen und gab Ratschläge, sich auf die Beobachtung von ISON entsprechend vorzubereiten. [8]
Sven Melchert nahm den Venustransit 2012 zum Anlass, die Entstehung einer solchen Transiterscheinung zu erläutern. Die Venus als innerer Planet und die Neigung der Venusbahn gegenüber der Ekliptik sind die Randbedingungen. Im Anschluss gab es dann in Bildern einen Bericht seiner Reise anlässlich des Transits nach Schweden und dem damit verbundenen Wolkenkrimi.
Kerstin und Manfred Rätz entführten die Zuschauer noch einmal zur Totalen Sonnenfinsternis in Australien und schilderten die Eindrücke der Reise. Als Teil der Reisgruppe der Volkssternwarte Kirchheim gab es auch hier einen Wolkenkrimi mit glücklichem Ende zu bewundern. Ein Krimi auf die Minute, festgehalten in Bildern und Videos. Weitere Eindrücke des 5. Kontinents rundeten diesen Vortrag ab.
Jetzt war es an den Schülern Paul Häuser und Jannik Kania des FKG die ersten Beobachtungsergebnisse der Messung von Helligkeitsschwankungen aktiver Galaxienkerne vorzustellen. Dieses Projekt in Kooperation mit dem Lehrstuhl für Astronomie in Würzburg hat das Ziel, die Helligkeit von potenziellen Objekten über Jahre hinweg zu messen und damit die Profiastronomen zu unterstützen. Die an der bestens ausgestatteten Hans-Haffner-Sternwarte des FKG gewonnenen Aufnahmen werden im Roten, Grünen und Blauen Licht ausgewertet und über die Zeit aufgetragen. Ziel ist es, periodische Schwankungen zu erkennen und diese Ergebnisse mit den Messungen der Profis in anderen Wellenbereichen zu kombinieren. Der Vortrag war in sich rund und stimmig und die Fragen und Hinweise aus dem Publikum legen einen Schluss nahe: Bitte mehr davon, bitte mehr Kooperationen, bitte mehr Kontaktmöglichkeiten mit Profis und erfahrenen Amateuren zum Austausch und mehr junge Amateure auf Tagungen auf der Bühne, die ihre Projekte vorstellen und diskutieren. Das war beeindruckend, geht weit über das “mal nachvollziehen” hinaus und die Idee hat Potenzial. [9]
Petra Mayer führte in ihrem Beitrag durch die Geschichte der Radioastronomie. Von den Anfängen dieser Disziplin reichte der Streifzug bis zu modernen Projekten und deren Ergebnissen. Zugleich wurde ein Blick in die Zukunft geworfen. 
Erich Meyer stellte die Ergebnisse einer besonderen Form spontaner Urlaubsgestaltung vor. Weil der erfahrene Beobachter noch nie Polarlichter gesehen hatte, nahm er eine Möglichkeit zum Kurzurlaub im März diesen Jahres wahr und verbrachte im Norden Schwedens den Abend bei tiefen Minusgraden im Freien, um die Erscheinung der Aurora Borealis in Zeitrafferfilmen festzuhalten. Musikalisch untermalt präsentierte er seine eindrucksvollen Ergebnisse und verabschiedete sich mit der Hoffnung, sein Publikum möge angesichts der Schneelandschaften “ein wenig mitgefroren haben”.
Zum Abschluss der Tagung entführte Bernd Pröschold mit Zeitrafferaufnahmen das Auditorium in die Landschaften Namibia, Chile, den Alpen und Norwegen. Pröschold, der auch dem Fotografennetzwerk TWAN angehört, darf man zu den Pionieren dieser Aufnahmetechnik zählen. Seine Videos, in denen vom Sonnenuntergang bis zum Sonnenaufgang oft weite Abschnitte eines Tags zu sehen sind, zeigten selbst auf dem Bild der beiden Beamer in Würzburg, wie weit diese Form der Aufnahme sich schon entwickelt hat. Beeindruckende Landschaftsbilder werden mit Himmelsaufnahmen in atemberaubender Schönheit kombiniert. Pröschold kann mittlerweile ganze DVDs mit seinen Aufnahmen füllen und zeigte einen Querschnitt seiner aufwendigen Produktionen. [10] 
Abschließend zu würdigen ist die hervorragende Organisation der Tagung durch das Team des FKG vor Ort um den Ansprechpartner für das Naturwissenschaftliche Labor Christian Lorey und Schulleiter Dr. Siegfried Rose. In diesem Jahr wurde sogar warmes Mittagessen angeboten, sodass die Tische im großzügigen Foyer durchgängig zum Austausch zwischen den Sternfreunden genutzt wurden. Überall war das Team des FKG unterwegs, um die Tagungsteilnehmer der Würzburger Frühjahrstagung in jeder Hinsicht zu versorgen.
Die Würzburger Frühjahrstagung 2014 wird voraussichtlich wieder im Monat April stattfinden, ein Termin wird zeitig bekannt gegeben.

Zum Weiterlesen:
[1] http://www.astro.uni-wuerzburg.de/deu/magic_d.html [2] http://fact-project.org/smartfact/#tracking [3] http://stargate-ohp.de/ [4] http://labor.fkg-wuerzburg.de/ [5] http://www.astrode.de/oppositionseffekte [6] http://www.michaelkunze.de/astronomie.php?ID=1&CALL_SITE=sonnenfinsternis_2012_total.php&CALL_FOL=astronomie [7] http://spektroskopie.fg-vds.de/ [8] http://kometen.fg-vds.de/ [9] http://labor.fkg-wuerzburg.de/?p=Sternwarte [10] http://www.sternstunden.net/