17. Juli: Mond nahe Antares

Liebe Sternfreunde, die Begegnungen zwischen dem Mond und hellen Sternen erleben wir in Serien. Dies hängt mit den Eigentümlichkeiten der Mondbahn zusammen. Im Moment trifft er jeden Monat den hellen Antares.
Am Abend des 17. Juli ist es wieder so weit. Gegen 23 Uhr ist es schon recht dunkel, der Mond steht dem roten Stern wirklich sehr nahe.

Vielleicht überstrahlt das Licht des fast vollen kosmischen Nachbarn den Stern, so dass ein kleines Fernglas alles deutlicher zeigt. Außerdem benötigt man eine freie Sicht zum Südhorizont, denn der Mond steht sehr tief.

Viel Freude beim Beobachten!
Euer Uwe Pilz.

Anfang Juli: Ceres in Opposition

Liebe Sternfreunde,

Anfang des Monats (6. Juli) steht der Zwergplanet Ceres in Opposition und erreicht zu dieser Zeit den geringsten Abstand von der Erde und die größte Helligkeit. Er steht tief im Schützen, so dass eine gute Horizontsicht nötig ist. Ein kleines Fernglas genügt zur Beobachtung, den die Ceres wird 7,3 mag hell.
Am 8. Juli zieht sie eng am 2,6-mag-Stern ζ Sgr vorbei, und wenige Tages später am Kugelsternhaufen Messier 54.

Messier 54 ist ein klein wenig schwächer als der Zwergplanet, aber sein Leuchten ist auf eine Fläche verteilt. Es ist sicher reizvoll, diese beiden zwar fast gleich hellen, aber ganz unterschiedlichen Objekte auf einen Blick zu sehen.
Euer Uwe Pilz.

3. Juli: Mond bei den Plejaden und Jupiter

Liebe Sternfreunde,

am Morgen des 3. Juli steht der Mond im Goldenen Tor der Ekliptik, also zwischen Plejaden und Hyaden. Allerdings wird man in den meisten Standorten im deutschen Sprachraum die Hyaden nicht gut sehen können: Nach ihrem Aufgang ist der Himmel schon zu hell:

Die beste Beobachtungszeit ist gegen 3 Uhr morgens. Der Himmel ist schon leicht von der Dämmerung erhellt, aber die Plejaden setzen sich dagegen noch gut durch. Ein kleines Fernglas zeigt alles deutlicher. Jupiter leuchtet tief am Horizont und gibt eine Vorstellung von der Lage der Ekliptik.
Euer Uwe Pilz

Veränderung eines Doppelsterns in kurzer Zeit sehen: 44 Bootis

Liebe Sternfreunde,

ich erinnere mich noch gut an das Jahr 2005: Damals standen die Komponenten von Porrima = γ Virginis so nahe, dass ich sie mit meinem 12-Zöller gerade so trennen konnte, oder mir das zumindest eingebildet habe 🙂 . Jetzt ist dies ein ganz einfacher Doppelstern mit mehr als 3″ Abstand geworden. In relativ kurzer Zeit konnten wir die Bewegung der Komponente visuell erfassen, ohne Winkelmessung.

Eine ähnliche Chance haben wir jetzt wieder, und zwar an 44 Bootis. Der Stern ist nicht ganz so prachtvoll wie Porrima, seine Helligkeit beträgt 5 mag, man sieht ihn also von einem Landhimmel aus mit dem freien Auge. Aber das ist gar nicht nötig: Dieses Objekt ist ein schönes Beobachtungsziel auch von der Stadt aus, selbst das kleinste Teleskop genügt – dann per Starhopp von β Bootis aus:

Ich habe auf dem ITV nach dem Stern geschaut. In einem sehr gut kollimierten 13-cm-Refraktor konnte ich das zentrale Beugungsscheibchen ganz leicht länglich sehen. Das wird nicht jedem gelingen, und das ist auch nicht so ganz wichtig. Selbst wenn man die Doppelstern-Natur nicht sehen kann: Bald klappt es! Es ist also von Wert, jetzt auch die Nicht-Trennbarkeit zu sehen und zu dokumentieren. Im Moment sind die Komponenten 0″5 getrennt, das Minimum von nur 0″2 liegt schon drei Jahre zurück. Die Komponenten sind nur wenig unterschiedlich, 5m2 und 6m1.
Bereits 2027 ist der Abstand auf 1″ angewachsen, das erkennt man in einem gut zentrierten 4-Zöller bei hoher Vergrößerung als deutlich längliche Beugungsscheibe. Im Jahr 2023 sind es dann 1″5 – nun wirklich kein Problem mehr auch für kleine Instrumente. Das Maximum von über 6″ wird im Jahr 2083 erreicht – nichts mehr für mich.

Ich empfehle, jedes Jahr einmal hinzuschauen. Unsere Fachgruppe Deep Sky hat ihn in der Beobachtungsliste der
Doppelsterne aufgeführt, hier werden auch die Beobachtungen gesammelt:
https://deepsky.vdsastro.de/de/project-double-stars.php
Dort mit strg-F nach 44 Boo suchen.

Euer Uwe Pilz

20. Juni – Sommersonnenwende. 22. Juni – Südwende des Vollmondes

Liebe Sternfreunde,

wir haben in diesem Jahr eine besondere Konstellation. Kurz nach der Sommersonnenwende ist Vollmond. Der Mond steht der Sonne gegenüber, und zwar genau dann, wenn die Sonne ihren höchsten Punkt erreicht. Der Mond steht dann besonders tief. Hinzu kommt, dass der Mond 6 Grad unter der Ekliptik steht, die Mondbahn ist ja deutlich geneigt.
Wenn der Mond gegen 1 Uhr genau im Süden steht, dann erreicht er hier in Leipzig eine Höhe von nur 9 Grad über dem Horizont. Damit kann er schön mit der Landschaft in Szene gesetzt werden. Vor fast 18 Jahren gab es eine ähnliche Konstellation, welche ich mit ganz primitiver Technik aufgenommen habe. Ein schönes Stimmungsbild, finde ich.

Warum 18 Jahre? So lange dauert es in etwa, bis die Mondknoten einen Umlauf vollendet haben und der Mond im Sommer wieder besonders tief steht. Also verpasst die Gelegenheit nicht zu ein paar stimmungsvollen Aufnahmen. Ein Smartphone genügt – die Qualität wird wesentlich besser sein als meine historische Aufnahme.

Euer Uwe Pilz.

16. Juni: Mond begegnet wieder Spica

Liebe Sternfreunde, nahe Begegnungen des Mondes mit Spica (und auch anderen prominenten Objekten) treten in Serien auf, die sich aller 18 Jahre wiederholen. Ursache ist der Umlauf des Mondknotens, der 18,6 Jahre benötigt. Im Moment kommt es regelmäßig zu Begegnungen mit dem hellsten Stern der Jungfrau, ich hatte schon im April davon berichtet. Am Abend des 16. Juni ist es wieder so weit.

Dargestellt ist die Situation gegen 22.30 h. Der helle Mond überstrahlt wahrscheinlich Spica für den Anblick für das freie Auge, ein kleines Fernglas zeigt alles besser.
Die engste Begegnung findet gegen 20.30h statt: Dann steht die Sonne noch am Himmel. Da der Mond aber leicht zu finden ist, lohnt es sich, einmal mit dem Teleskop hinzuschauen. Es sollte kein Problem sein, einen Stern 1. Größe am Taghimmel zu sehen. Ein Rotfilter hilft, das blaue Himmelslicht zu dämpfen.

Euer Uwe Pilz.

11./12. Juni: Asteroid Isis ist sehr hell und leicht zu finden

Liebe Sternfreunde, der Asteroid Isis kommt Anfang Juli in Opposition und wird 9,6 mag hell – so kräftig wie selten. Schon jetzt ist er als 10-mag-Sternlein leicht in einem kleinen Teleskop oder größeren Feldstecher zu finden. Besonders leicht geht das in der Nacht vom 11. auf den 12. Juni: Er steht dann nur wenige Bogenminuten von einem 6-mag-Stern im Schützen entfernt.

Auch in der Nacht vom 12. auf den 13. Juni ist er noch ziemlich in der Nähe zu finden, allerdings hat sich der Abstand auf 8 Bogenminuten vergrößert: Immer noch sehr nahe.
Euer Uwe Pilz

Schwarzes Loch in unserer Nachbarschaft: Begleit-Stern im 4-Zöller sichtbar!

Liebe Sternfreunde,
die Juli-Ausgabe von Sterne und Weltraum berichtet über ein sog. Stellares Schwarzes Loch mit dem Namen Gaia BH3. Die „stellare“ Variante sind die leichtesten dieser Singularitäten und sind viel leichter als diejenigen im Zentrum von Galaxien. Die leichteren Geschwister entstehen beim Kollaps von massereichen Sternen

Schwarze Löcher sind per se unsichtbar; aber selbst ihre nähere Umgebung ist für Amateure meist unbeobachtbar: Das Zentrum der Galaxien ist von dichten Staub- und Sternwolken umgeben. Stellare Schwarze Löcher hingegen sind oft so weit entfernt, dass wir mit kleinen Instrumenten nichts von der Umgebung sehen können.

Wir haben aber zumindest in einem Fall Glück: Gaia BH3 ist nur 2000 Lichtjahre entfernt. Es wurde entdeckt, weil es mit einem 11-mag-Stern einen Doppelstern bilden. Die Analyse der Bahn zeigte die Rotation um ein Objekt von 33 Sonnenmassen: Das musste ein Schwarzes Loch sein. Klaus Wenzel aus Großostheim hat diesen Begleitstern bereits fotografiert, das Bild ist im SuW-Aufsatz enthalten.

Die Koordinaten sind R.A. (J2000.0) = 19h 39m 18,72s Dek = +14° 55′ 54,2″, die Angabe in S&W enthält einen Fehler. Ausgangspunkt des Aufsuchens ist der 6-mag-Stern ε Sagittae am Westendes des Sternbildes Pfeil. In dessen Nähe erreicht man einen 8-mag-Stern. Die zweite Karte zeigt den Starhop zu unserem Kandidaten.

Selbst wenn man die Singularität selbst nicht sehen kann: Eine Himmelsregion aufzusuchen, in der etwas physikalisch so völlig „unirdisches“ geschieht, halte ich für reizvoll.

Aufsuchkarte für die Benutzung am Teleskop. Der 8-mag-Stern hat die Koordinaten R.A. = 19h 37m 17,84s Dek= 15° 15′ 2.4″ und ist auf S. 42 des Interstellarum-Deep-Sky Atlas abgebildet – inmitten des Nebels LDN 720

Euer Uwe Pilz.

4. Juni: Maximum δ Cephei

Liebe Sternfreunde, δ Cephei ist der Namensgeber einer ganzen Klasse von veränderlichen Sternen. In diesem Fall ist das physikalische Geschehen wirklich interessant: Der Stern pulsiert! Und ändert damit sowohl die Helligkeit als auch die Temperatur, sichtbar im Spektrum. Die Periode beträgt 5,3 Tage: Es scheint zunächst, als ob wir das Helligkeitsmaximum recht oft beobachten können. Ganz so häufig ist es jedoch nicht, weil das Ereignis am Taghimmel stattfinden kann oder der Kepheus ungünstig am Himmel steht.
Am 4. Juni morgen um 1.17 h MESZ ist eine gute Gelegenheit, die zu beobachten

Der Kepheus steht hoch am Himmel, δ ist ein einfaches Ziel mit dem freien Auge. Er wird in dieser Nacht 3,5 mag hell – im Vergleich zu 4,3 mag im Minimum. Dieser Unterschied fällt sofort auf. Als Vergleichssterne können υ und ζ Cephei dienen, sie sind 4,5 und 3,6 mag hell. Ich habe sie in der Karte markiert.
Zum Nachweis der Variabilität muss man den Stern wenigstens noch in einer anderen Nacht beobachten. Ich empfehle, den Kepheus immer anzuschauen, wenn er am Himmel steht: Dann fällt das kleine Wunder des hellen Sterns δ erst richtig auf.

Es ist auch eine gute Idee, die Himmelsregion einfach mit einem Smartphone abzulichten. Die modernen Geräte können das, alle die über einen Nachtmodus verfügen. Eventuell muss man für eine stabile Auflage sorgen, das lässt sich aber improvisieren.

Viel Erfolg, euer Uwe Pilz

2. Juni: (43) Ariadne ist hell und leicht zu finden

Liebe Sternfreunde,

der Asteroid (43) Ariadne erreicht Anfang Juni seine Opposition. Die Bahngeometrie ist diesmal besonders günstig, der Abstand zur Erde beträgt nur 0,85 Astronomische Einheiten und er wird knapp 9 mag hell und im Fernglas sichtbar. Das ist nicht immer so: Zu anderen Oppositionen kann er gerade so die 11. Größenklasse erreichbar. Die Nacht vom 2. auf den 3. Juni ist für seine Beobachtung besonders günstig, da er einem 9-mag-Stern nahesteht. Ausgangspunkt für das Aufsuchen kann α Scopii dienen, Ariadne steht 4 Grad entfernt.

Die Region steht nicht allzu hoch über dem Horizont und steht gegen kurz vor 2 Uhr am höchsten. Ab Mitternacht kann man aber mit der Beobachtung beginnen. Viel Erfolg!

Euer Uwe Pilz.