Vierzig Jahre VdS
von Peter Völker, bebildert illustriert in SuW 10/1993
Vor fünf Jahren, im SuW-Doppelheft 1988, erschien aus Anlaß des 35jährigen Bestehens der Vereinigung der Sternfreunde (VdS) e. V ein längerer Beitrag über die Geschichte, die aktuelle Arbeit und die Zukunft des größten deutschen Verbandes von Amateurastronomen [1]. Seit dieser Zeit hat sich die Mitgliederzahl unserer Vereinigung um über 1000 erhöht, so dass „40 Jahre VdS“ Grund genug sind, erneut in die Geschichte einzutauchen, ohne das damals Geschriebene — bis auf einige Eckwerte — wiederholen zu wollen.
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Über die astronomischen Aktivitäten der VdS in den letzten 40 Jahren hier zu berichten, hieße Eulen nach Athen tragen. Jahrzehntelanges Berichterstatten in den VdS-Nachrichten, in Sterne und Weltraum und in den Publikationen der VdS- Fachgruppen legen davon ein beredtes Zeugnis ab. An dieser Stelle soll vielmehr versucht werden, einige Hintergründe zu beleuchten – wie wurden Leistungen errungen, wer stand dahinter? Denn hinter allen Bewegungen in der Amateur-Astronomie und somit der VdS stehen ja Menschen, die den selbstgestellten Auftrag zur „Pflege und Förderung der volkstümlichen Astronomie“ (VdS-Satzung, § 2) groß auf ihre Fahnen geschrieben haben und ihn mit Enthusiasmus und Phantasie in die Tat umsetzen. Oberstes Gebot blieb, daß das einzelne Mitglied im Mittelpunkt zu stehen habe, ihm durch Beratung zu helfen sei. Dies geschah und geschieht durch Einzelbetreuung, Hinführung zu den VdS-Fachgruppen mit der Anregung, dort die notwendige Beratung zu suchen oder gar aktiv mitzuarbeiten. Es geschieht aber auch durch persönliche Kontaktaufnahme auf Tagungen, wie sie die VdS und ihre Fachgruppen seit jeher zahlreich angeboten und durchgeführt haben.
Wilhelm Foerster, Robert Henseling und die Folgen
Foerster (1832-1921) war von 1863 bis 1903 Direktor der Berliner Sternwarte. Er hatte bei Argelander in Bonn studiert, sein Lehrmeister in Berlin war Humboldt, und so hatte er sich – wie jener – der Popularisierung der Wissenschaften verschrieben. Hierzu gründete er 1888/89 die Urania mit der ersten Volkssternwarte der Welt. Ihr Hauptinstrument war der 12″-Bamberg-Refraktor, der noch heute seinen Dienst an der Wilhelm-Foerster-Sternwarte in Berlin tut.
Foerster ging noch einen Schritt weiter Bereits 1863 hatte er die Astronomische Gesellschaft (AG) gegründet, den Verband der professionellen Astronomen, der heute noch besteht. Pfingsten 1891 folgte dann in der Berliner Urania die Gründung einer Amateur-Vereinigung. Zusammen mit Joseph Plassmann rief er die V.A.P. (Vereinigung von Freunden der Astronomie und kosmischen Physik) ins Leben, deren Vorsitzender Rudolf Lehmann-Filderen Vorsitzender Rudolf Lehmann-Filhe’s wurde, der auch Schriftführer der AC war. Die V.A.P. richtete Arbeitsgruppe/ ein, und Foerster selbst leitete dabei die erste überregionale Amateur-Sonnenbeobachtergruppe [2].
Die Umstände ergaben fast von selbst, daß Foerster zahlreiche Schüler hatte. Drei von ihnen möchte ich hier nennen Friedrich Simon Archenhold (18611939), Bruno H. Bürgel (1875-1948) und Richard Sommer (1888-1982).
Archenhold gründete 1896 die Treptower Sternwarte (seit 1946 „Archenhold-Sternwarte“). Nachdem er 1931 die Leitung der Sternwarte an seinen Sohn Günter abgegeben hatte, der 1936 aus politischen Gründen aus dem Amt vertrieben wurde, übernahm Sommer deren wissenschaftliche Leitung bis 1945. Sommer war ebenfalls Direktor des Berliner Planetariums am Zoo von 1928 bis 1945, nachdem es von 1926 bis 1928 Robert Henseling gewesen war.
Henseling (1883-1964) hatte die Schwäbische Sternwarte Stuttgart gegründet und ebenda am 7. Mai 1921 den Bund der Sternfreunde. Auch der BdS hatte wie die V.A.P. die Popularisierung und Verbreitung der Himmelskunde als Ziel Henseling gab das „Astronomische Handbuch“ heraus, veranstaltete Sternfreunde Tagungen, richtete ein umfangreiches Lichtbildarchiv ein usw.
Die Mitglieder dieser Vereinigungen bzw. Institutionen wurden überwiegend durch Periodika informiert und zusammengehalten. So gab der BdS „Die Sterne“ heraus, die Urania „Himmel und Erde“ und die V.A.P. „Mitteilungen de V.A.P.“, die 1920 in „Himmelswelt“ uni benannt wurden.
G. Archenhold hatte 1931/32 in Trep tow eine „Astronomische Arbeitsgemeinschaft“ eingerichtet [3], die von R. Sommer am 1. November 1937 reaktiviert wurde. Schüler dieser Arbeitsgemeinschaft sind u. a. Werner Büdeler, Wolf gang Büttrier, Adolph Kunert, Edgar Mädlow, Heinz Mielke, Herbert Pfaffe, Peter G. Westphal und Harro Zimmer; alle Namen begleiten uns bis in die heutigen Tage und führen uns direkt auf die Spuren der VdS.
Die VdS entsteht
Das Kriegsende bedeutete auch das Ende von V.A.P. und BdS. Der wissenschaftliche Leiter der Archenhold-Sternwarte war von 1945 bis 1948 Edgar Mädlow, dem Diedrich Wattenberg folgte. Er war von der Olbers-Gesellschaft Bremen gekommen und hatte mit Bürgel in Verbindung gestanden.
Trotz der Nachkriegswirren war der Wunsch der Amateur-Astronomen ungebrochen, wieder eine überregionale Vereinigung zu gründen. „Wiederbelebungsversuche“ von V.A.P. und BdS schlugen fehl, obwohl der BdS Pfingsten 1950 in Coburg neu gegründet worden war, mit Sitz in München.
In [4] lesen wir einen Bericht über die Arbeitstagung der Amateur-Astronomen in der Archenhold-Sternwarte vom 11.-13. November 1950. Dort wurde mit Referaten von D. Wattenberg, E. Otto und E. Mädlow die Gründung einer „Arbeitsgemeinschaft der Sternfreunde“ beschlossen. Jedoch waren all diese Bemühungen, an alte Traditionen anzuknüpfen, nicht von Erfolg gekrönt, was zum Teil auf personelle Dinge zurückzuführen ist, aber auch auf politische: Es waren gerade zwei deutsche Staaten entstanden. Details über den Fortgang der Ereignisse berichtet E. Mädlow in [1], und deshalb sollen hier nur die wichtigsten Daten wiederholt werden.
Am Rande der AG-Tagung vom 22.-26. September 1952 in München fand ein Gespräch statt, das Nägel mit Köpfen Machte. Es wurde beschlossen, einen völlig neuen überregionalen Verband zu gründen, der lediglich im Namen an die Tradition seiner Vorgänger anknüpfen sollte. So wurde „Vereinigung“ aus der V.A.P. entlehnt, „der Sternfreunde“ aus dem BdS, und so heißt die VdS noch heute „Vereinigung der Sternfreunde“. Darauf einigten sich Vinzenz Dahlkamp (Recklinghausen, vormals V.A.P.), Hermann Bühler (Stuttgart, vormals BdS) und Hans Mühle (Wilhelm-Foerster-Institut, Berlin).
Nach den Unruhen des 17. Juni 1953 war es nicht einfach, eine Gründungsversammlung — und dann auch noch nach Berlin — einzuberufen. Dennoch fand die Tagung vom 8.-11. August 1953 in den Räumen der Landesbildstelle statt (Abb. 1-3). Auf der ersten ordentlichen Mitgliederversammlung der VdS wurde am 8. August 1953 der erste Vorstand gewählt [5]. Er bestand aus fünf Personen, dem 1. und 2. Vorsitzenden, dem Geschäftsführer und zwei Beisitzern (Tabelle 1). Am 9. April 1954 erfolgte dann die Eintragung in das Vereinsregister des Amtsgerichtes Berlin-Charlottenburg .
Erste Erfolge
Der Zuspruch zur VdS war enorm, wie die Entwicklung der Mitgliederzahl bis 1965 zeigt (Abb. 11); das spiegelt die vielfältigen Leistungen der ersten Jahre wider [1], die gerne in Anspruch genommen wurden. Hauptsächlich zusammengehalten und informiert wurden die Mitglieder durch die „VdS-Nachrichten“, die bald ein eigenes Profil entwickelten und heute noch eine Fundgrube für jeden Amateur darstellen. Sie waren aus einem Guß und redaktionell fast durchgehend betreut (siehe Tabelle 1): zwischen 1952 und 1957 von E. Mädlow, bis 1967 weiter von J. Herrmann. Mitte 1967 übernahm wieder E. Mädlow (mit H. Zimmer) die Redaktion, und er führte ein Novum ein, das seiner Zeit weit voraus war. Das VdS-Nachrichtenblatt wurde von einem Team betreut, das er aus jungen Leuten der traditionsreichen Astronomischen Arbeitsgemeinschaft, die er an der Wilhelm-Foerster-Sternwarte weiterführte, zusammensetzte: H. Haug, W. Hänig, Chr. Kowalec, P. Völker und W. Wichmann [6].
Diese Entwicklung wurde unterbrochen, als der Vorstand beschloß, die VdS-Nachrichten ab Heft 4/1969 in Sterne und Weltraum einzuheften und den Mitgliedern nahezulegen, SuW gleich mitzuabonnieren. Das führte zu einem Eklat, sahen doch viele „alte Hasen“ die Eigenständigkeit der VdS gefährdet. Nahezu 20 % verließen die Vereinigung, und erst eine außerordentliche Mitgliederversammlung schaffte Klärung. Am 1. Mai 1970 wurde in Frankfurt beschlossen, das Nachrichtenblatt völlig aufzugeben und fortan vier Seiten „VdS-Nachrichten“ in SuW abzudrucken, was dann auch ab Heft 7-8/1970 geschah [7]. Eine Epoche hatte ihren Abschluß gefunden. Die Frankfurter Versammlung beschloß auch, die Zahl der Vorstandsmitglieder von fünf auf sieben zu erhöhen; jetzt waren vier Beisitzer vertreten.
Es dauerte bis 1975, ehe eine leicht höhere Mitgliederzahl erreicht werden konnte, als sie die VdS 196’5 gehabt hatte. Diese Zahl stagnierte dann allerdings bis 1980.
Der Umbruch
In dieser Zeit machte sich ein Phänomen bemerkbar, das unausweichlich auf jeden bestehenden Verein — die VdS war nun 25 Jahre alt — zukommt: der Generationskonflikt begann. Die jungen, aktiven Mitglieder meldeten sich deutlich zu Wort. Es wurden Beiträge und Meinungen veröffentlicht [8-12], die teilweise den Charakter eines Schlagabtausches trugen. Die VdS-Fachgruppen zeigten um das Jahr 1977 verstärkt einsetzende Aktivitäten, denn auch industriell kündigte sich die neue Zeit an. Fernrohre wurden leistungsstärker und preiswerter, Zusatzgeräte (z. B. DayStar-Filter) wurden erschwinglicher, Filmemulsionen optimiert, und der Computer ermöglichte umfangreichere Rechnungen bei Auswertungen. Die Sonnen-und Planetenbeobachter begannen, die überregionale auf internationale Zusammenarbeit zu erweitern, so wie sie die BAV schon lange pflegte. Aufgrund der redaktionellen Struktur von SuW und der Materialfülle von Beobachtungen und Auswertungen der Fachgruppen konnten nicht alle Artikel in SuW untergebracht werden. So wurden die „MfP“ (Mitteilungen für Planetenbeobachter) wieder ins Leben gerufen und „SONNE — Mitteilungsblatt der Amateursonnenbeobachter“ gegründet. 1982 schließlich konnte das „Handbuch für Sonnenbeobachter“ als Veröffentlichung der VdS-Fachgruppe Sonne vorgelegt werden, das durchweg gute Kritiken bekam [13].
Im selben Jahr wechselte die Schriftleitung von SuW zu H. J. Staude. In seinem ersten Editorial lesen wir: „. . Lebhafter! Mehr Bewegung! … Bunter und bewegter … mit Blickrichtung hauptsächlich auf die Jugend …“ [14].
Die neue Zeit
Dieser Aufruf fiel auf fruchtbaren Boden. Im selben Heft wie das obige mutige Editorial liest man auf Seite 36 (Bericht über die VdS-Mitgliederversammlung vom September 1981 in Köln): „. . der Diskussionsverlauf ließ erkennen, daß die Versammlung an der bisherigen VdS-Orientierung festhalten und keine Experimente machen möchte“ [15]. Dennoch werden die „Experimente“ gewagt: Es entwickelt sich eine freundschaftliche Zusammenarbeit mit SuW, die einhergeht mit der Umgestaltung des Heftes und seiner Öffnung nach allen Seiten. Die traditionsreiche BAV bringt ihren guten Namen ein und wird Fachgruppe Veränderliche Sterne der VdS [16]. Es folgt der Arbeitskreis Planetenbeobachter; er wird am 2. Juni 1984 Fachgruppe Planeten der VdS [17].
Das Jahr 1984 bringt einen weiteren entscheidenden Schritt. Hatte die verkaufte Auflage von SuW 1982 bei 5300 Exemplaren gelegen, so war sie zwei Jahre danach bereits auf 6500 gestiegen; auch der Heftumfang nahm ständig zu. Damit wuchs nicht nur die Beliebtheit im Leserkreis, sondern auch der Arbeitsaufwand des Redakteurs, wie in zahlreicher Korrespondenz deutlich wurde. Am 20. Juli 1984 unterbreitet der Verfasser den Vorschlag, die VdS-Fachgruppen an der redaktionellen Bearbeitung der Amateurbeiträge zu beteiligen [18], was am 24. Juli 1984 akzeptiert wird [19]. Ab Herbst überlegt man, wie das Impressum angemessen zu ändern sei. Ende Oktober erzielen die Fachgruppen Sonne, Planeten und Veränderliche Sterne eine zustimmende Übereinkunft, bei SuW mitzuarbeiten. Am 11. November 1984 erklärt H. J. Staude diese Absicht auf der BoHeTa öffentlich, gleichzeitig sagen die Vertreter de Astrophotographen (W. E. Celnik und P. Riepe) ihre Mitarbeit als Fachgruppe zu. Am 1. Dezember 1984 findet in Berlin eine Redaktionssitzung statt, auf der mit dem Chefredakteur die Sache offiziell unter Dach und Fach gebracht wird, so daß die Neuerung mit sieben VdS-Fachgruppen bereits ab Januar 1985 durchgeführt werden kann [20]. Der Erfolg gibt diesem Schritt recht.
Heute
1985 wird die Satzung erneut geändert. Der VdS-Vorstand besteht seitdem aus dem Vorsitzenden, dem Geschäftsführer und fünf weiteren Vorstandsmitgliedern. 1987 entscheidet sich die Mitgliederversammlung in Bochum für einen Vorstand, dessen Durchschnittsalter unter 40 Jahren liegt [21].
Das verjüngte Team paßt zunächst das äußere Erscheinungsbild modernen Gepflogenheiten an. Es wird ein VdS-Logo eingeführt, das überall erscheint: auf neuem Briefpapier mit passenden Umschlägen, einem VdS-Aufkleber und einem VdS-Poster; zahlreiches Informationsmaterial wird erstellt — ein Faltblatt eine VdS-Infomappe, in der sich alle Fachgruppen selbst darstellen und ein VdS-Infostand, der auf Messen und Tagungen aufgebaut wird und an dem sich Interessenten persönlich an VdS-Vertreter wenden können. Dort werden auch Publikationen der VdS-Fachgruppen ausgelegt und SuW-Probehefte angeboten. Das Erworbene wird gern in den neuen Baumwolltaschen weggetragen, die mit einem VdS-Text bedruckt sind. Ab Mitte 1988 erscheinen VdS-Anzeigen in SuW zur Mitgliederwerbung, die auch von anderen Amateur-Zeitschriften übernommen werden, z. B. regelmäßig von SONNE und dem Sternkieker. Von Zeit zu Zeit erscheinen „VdS-Vorstandsinfos“ in gekennzeichneter Kolumne in SuW, um die Vereinsarbeit aktuell und transparent darzustellen.
Im Laufe der Zeit formieren sich neue VdS-Fachgruppen, bis heute 19, von denen einige, neben den etablierten Sonne, Planeten und Veränderliche, eigene Periodika herausgeben: die Fachgruppe Meteore „Sternschnuppe“, die Fachgruppe Kometen „Schweifstern“ und die Fachgruppe Sternbedeckungen „Occultation Newsletters der IOTA/ES“. 1989 kommt ein neues Mitgliederverzeichnis heraus welches die Nachfolge seiner Vorgänge; von 1960, 1967 und 1977 antritt.
Einige herausragende Dinge weisen in die Zukunft der VdS und der Amateur_ Astronomie überhaupt. R. Beck erreicht 1987 in Gesprächen mit dem Vorstand der AG, daß Amateure besondere Arbeiten als Poster auf AG-Tagungen präsentieren können [22]. Die VdS-Fachgruppe Meteore übernimmt die Kamera-Stationen des Feuerkugelnetzes, das bis 1988 das Heidelberger Max-Planck-Institut für Kernphysik betrieben hatte [23]. Die ersten Schritte in Richtung europäische Zusammenarbeit werden getan mit der Teilnahme an den Tagungen in Hoeven/Niederlande [24, 25]. In freundschaftlicher Atmosphäre wird vereinbart, daß die Fachgruppen ihre Beobachtungen, deren Ergebnisse und ihre Publikationen austauschen.
Die Ereignisse des 9. November 1989 und ihre Folgen stellen eine besondere Herausforderung an den Vorstand und die Fachgruppen dar. Die Arbeitskreise des Kulturbundes der DDR (die den VdS-Fachgruppen entsprachen) hatten ein anerkannt hohes Niveau, was es zu erhalten galt. Viel Fingerspitzengefühl war notwendig, und gar manche über Grenzen hinweg geschlossene Astro-Freundschaft wurde jetzt gefordert, daß keine Vereinnahmung von beiden Seiten geschah, sondern daß zusammenwachsen konnte, was zusammengehört.
Einen wichtigen Punkt in dieser Entwicklung stellt zweifellos die kollegiale Zusammenarbeit mit der ehemaligen Kulturbund-Sternwarte Kirchheim dar, die ein e. V. wurde. Jahrzehntelang schwebte der Wunsch innerhalb der VdS, eine Feriensternwarte einzurichten (z. B. [26]). Ende der achtziger Jahre kristallisierten sich als mögliche Standorte Aniane (Frankreich) oder Orbetello (Italien) heraus (z. B. [27]). Nach der Wende brauchte man nicht mehr in die Ferne zu schweifen, denn das Gute lag nun wieder so nahe. Jürgen Schulz bot die Anlagen der Volkssternwarte Kirchheim e. V. (Abb. 9) mit ihren großen Instrumenten (bis 50 cm Öffnung) der VdS zur Nutzung an [28]. Seit Juli 1992 trägt das Observatorium den Beinamen „VdS-Sternwarte“. Die VdS stattete Kirchheim mit eigenem Briefpapier, Anmeldebögen und einem Info-Faltblatt aus und leitete Werbemaßnahmen zur weiteren instrumentellen Ausstattung sowie für Beobachtungsa’ufenthalte, Tagungen usw. im grünen Herzen Deutschlands ein [29].
Resümee und Danksagungen
Ende des Gründungsjahres 1953 hatte die VdS 191 Mitglieder, heute ist die Zahl 2600 bereits überschritten. Worin liegt der Erfolg begründet?
Dafür gibt es mehrere Erklärungen. Die erste ist wohl, daß Astronomen solange es die Wissenschaft gibt immer zusammengearbeitet haben; man kann von einem Standort aus nicht alles selbst beobachten, ist auf die Ergebnisse von Kollegen in anderen Gegenden gespannt, ja vielfach auf sie angewiesen. Im Bereich der Amateur-Astronomie bilden hier die Einzelbeobachter und die regionalen Vereinigungen die „Basis“. Witterungs- und zeitbedingt können größere Beobachtungsvorhaben nur überregional durchgeführt werden. Lange Reihen von Sonnenfleckenstatistiken, Verfolgung von Veränderungen auf Planetenoberflächen, Lichtkurven veränderlicher Sterne, genaue Erfassung von Meteorströmen usw. erfordern umfangreiche Datenmengen. Als Motor aller überregionaler amateurastronomischer Arbeit sind hier z. T. mit eigenen Veröffentlichungen und Tagungen die Fachgruppen tätig, ohne die eine sinnvolle VdS-Arbeit heute gar nicht mehr denkbar ist.
Darüber hinaus profitiert aber auch jedes einzelne Mitglied von einer großen Vereinigung, der es angehört. Wer sich etwa mit Astronomie in der Schule oder gar mit der Gründung einer Volkssternwarte befaßt, gerät nicht selten in bildungspolitische Bereiche. Bildungspolitik ist Ländersache, Aktivitäten auf diesem Feld werden erleichtert, wenn man einen bundesweiten, mitgliederstarken Verband hinter sich hat. Hier muß aber gesagt werden, daß die VdS in gar keinem Fall etwa mit einer politischen Partei vergleichbar ist, bei der „von oben“ gesagt wird, was zu tun sei. Vielmehr ist die Mitwirkung eines jeden Einzelnen notwendig. In einigen Fällen mag dies nur ideell durchführbar sein. Aber jeder kann sein Scherflein zum Ganzen beitragen, und sei es eben als Multiplikator unserer schönen Wissenschaft Astronomie, indem er etwa Freunden oder Arbeitskollegen den Unterschied zwischen Sterndeuterei und echter Himmelskunde verständlich macht oder sie einmal durch das eigene Fernrohr schauen läßt.
Zum Schluß möchte ich im Namen des derzeitigen VdS-Vorstandes (Abb. 10) all jenen danken, die in 40 Jahren für die VdS gearbeitet haben. Das gilt für die VdS-Fachgruppen, die Beobachter, die Astrophotos eingesandt haben, die Meßwerte für die Fachgruppen beigesteuert haben, für Organisatoren, die VdS-Tagungen oder VdS-Expeditionen durchgeführt haben, für Autoren kleinerer oder größerer Beiträge in den Publikationen der VdS-Fachgruppen, den VdS-Nachrichten oder in Sterne und Weltraum. Der Dank gilt auch den Vorstandsmitgliedern und VdS-Redakteuren (Tabelle 1), deren Wirken eine vertrauensvolle Zusammenarbeit voraussetzt [30], sowie schließlich jedem einzelnen Mitglied, das eine mit Leben erfüllte VdS-Arbeit erst ermöglicht. Ein namentlicher Dank geht an unser langjähriges und an Jahren derzeit ältestes Mitglied Carl Albrecht aus Freiburg (Jahrgang 1901, Abb. 7), dem ich diesen Aufsatz widme.
Literatur
[1] Celnik, W. E., Mädlow, E., Völker, P.: „35 Jahre VdS“. SuW 27, 480 [7-8/1988].
[2] Tiemann, K. H.: „Die V.A.P., 1891-1914″ (Manuskript).
[3] Wattenberg, D.: „Gestirnter Himmel über mir“. Union-Verlag, Berlin 1984.
[4] Wattenberg, D.: „Bericht über . . . 11.-13. 11. 1950″. Astronomischer Nachrichten- dienst der Archenhold-Sternwarte Nr. 17 vom 21. 11. 1950.
[5] Mädlow, E.: „Bericht von der Berliner Sternfreunde-Tagung“. VdS-Nachrichten Nr. 9/Sept. 1953.
[6] Mädlow, E., Zimmer, H.: „Ein Jahr Berliner VdS-Redaktion“. VdS-Nachrichten 17, 127 [Okt. 1968].
[7] Baumann, H.: „Die VdS tagte in Frankfurt“. VdS-Nachrichten 19, 61 [Juni 1970].
[8] Schmadel, L. D.: „Denn sie wissen nicht, was sie tun“. SuW 14, 170 [5/1975].
[9] Beck, R.: „Was ist das nur für ein Verein?“ SuW 17, 106 [3/1978].
[10] Frevert, F.: „Antwort: was ist das nur für ein Verein?“. SuW 17, 214 [6/1978].
[11] Beck, R., Wirth, J.: „Zur Situation der amateurastronomischen Organisationen in der Bundesrepublik“. SuW 22, 41[1/1983].
[12] Kunert, A.: „Alter Wein in neuen Schläuchen“. SuW 22, 258 [5/1983].
[13] Roth, G. D.: „Buchbesprechung: Handbuch für Sonnenbeobachter“. SuW 22, 318 [6/1983].
[14] Staude, H. J.: „Ein neues SuW?“ SuW 21, 5 [1/1982].
[15] Oberndorfer, H.: „Die 15. VdS-Tagung“. SuW 21, 36 [1/1982].
[16] Fernandes, M., Güssow, K.: „Zusammenar- beit von BAV und VdS“. SuW 22, 315 [6/1983].
[17] Freydank, H.: „Der überregionale Arbeits- kreis der Planetenbeobachter“. SuW 23, 537 [10/1984].
[18] Völker, P.: Brief an H. J. Staude (Privatkor- respondenz).
[19] Staude, H. J.: Brief an P. Völker (Privatkor- respondenz).
[20] Staude, H. J.: „Einstieg der Fachgruppen in die SuW-Redaktion“. SuW 23, 653 [12/1984].
[21] Celnik, W. E.: „Liebe Sternfreunde, liebe Mitglieder der VdS!“ SuW 27, 57 [1/1988].
[22] Beck, R.: „Zusammenarbeit zwischen Fach- und Amateurastronomen“. SuW 27, 328 [5/1988].
[23] Heinlein, D.: „VdS-Fachgruppe Meteore“. SuW 28, 754 [12/1989]).
[24] Riepe, P.: „Westdeutschland-Tag in Hoeven/NL“. SuW 28, 196 (1989).
[25] Völker, P.: „Norwegen-Tag in Hoeven/NL“. SuW 28, 682 [11/1989].
[26] Roth, G. D.: „Zum Jahreswechsel“. VdS- Nachrichten 15, 145 [Dez. 1966].
[27] Guthier, 0.; „Ergebnisse der Umfrage zur geplanten Feriensternwarte der VdS“. SuW 29, 193 [3/1990].
[28] Guthier, 0., Bußjäger, G.: „Die VdS-Sternwarte Kirchheim“. SuW 31, 268 [4/1992].
[29] Völker, P.: „Kirchheim und die VdS“ (Anzeige). SuW 31, 582 [8-9/1992].
[30] Celnik, W. E.: „Wechsel im Vorstand“. SuW 31, 580 [8-9/1992].
VdS-Personalia
Jahr/Tagungsort | Vorstand | Red. VdS-Nachrichten
------------------|-------------------------------|--------------------------------
1. 1953 | V. Dahlkamp (Recklingh.) | E. Mädlow (Berlin)
Berlin | D. Wattenberg (Berlin) |
| E. Mädlow (Geschf./Berlin) |
| N. Richter (Sonneberg) |
| H. B. Brenske (Berlin) |
------------------|-------------------------------|--------------------------------
2. 1955 | dto. | dto.
Stuttgart | |
------------------|-------------------------------|--------------------------------
3. 1957 | W. Stein (Bremen) | 1-6/56 D. Gudzent (Mü),
Bochum | E Otto (Eilenburg) | 7/'56 - 6/'57 wieder
| G. D. Roth (Geschf./München) | Mädlow,
| R. Brandt (Sonneberg) | 7/8 '57 E. Heckscher (Bln),
| E. Hecker (Köln) | ab 9/10 '57 J. Herrm. (BIn)
------------------|-------------------------------|--------------------------------
4. 1959 | dto. | dto.
Jena | |
------------------|-------------------------------|--------------------------------
5. 1961 | W. Stein | dto.; J. Herrmann ab
Coburg | R Ahnen (Sonneberg) | 1. 7. '62 in Recklinghausen
| Ersatz: H. Seitz (Stuttg.) |
| G. D. Roth (Geschf.) |
| E. Hecker |
| R. Brandt |
| Ersatz: J. Herrmann (BIn) |
------------------|-------------------------------|--------------------------------
6. 1963 | dto. | dto.
Köln | |
------------------|-------------------------------|--------------------------------
7. 1965 | W. Stein | dto.,
München | H. Wolf (Jena) | erste Jahreshälfte 1967
| G. D. Roth (Geschf.) | G. D. Roth
| E. Hecker |
| R. Brandt |
| Ersatz: Seitz u. Herrm. |
------------------|-------------------------------|--------------------------------
8. 1967 | W. Stein | zweite Jh. 1967
Landstuhl/ | H. Wolf | E. Mädlow u. H. Zimmer (BIn);
bei H. Fau | G. D. Roth (Geschf.) | ab 1967 Red. stab:
| K. Schaifers (Heidelberg) | Mädl./Zim. und
| H. Oberndorfer (München) | H. Haug
------------------|-------------------------------|--------------------------------
9. 1969 | F. Frevert (Wetzlar) | W. Hänig
Berlin | A. Kunert (Berlin) | Ch. Kowalec
| H. Oberndorfer (Geschf.) | R Völker
| K. Schaifers | W. Wichmann
| O. Nögel (Landshut) | 4-5/'70 Kunert u. Zimmer;
------------------|-------------------------------|--------------------------------
1. 5. 1970 | F. Frevert | Oberndorfer u. Roth
außerord. MV | A. Kunert |
in Frankfurt | H. Oberndorfer (Geschf.) |
| O. Nögel |
| K. Schaifers |
| H. L. Neumann (Offenbach) |
| W. Carnuth (Garmisch-Park.) |
------------------|-------------------------------|--------------------------------
10. 1971 | F. Frevert | ab 1. 1. 1972:
Wetzlar | A. Kunert | G. Zimmermann
| H. Oberndorfer (Geschf.) |
| K. Schaifers |
| E. J. Beneke (Stuttgart) |
| L. Schmadel (Heidelberg) |
| G. Zimmermann (Frankf./M.) |
------------------|-------------------------------|--------------------------------
11. 1973 | dto. | dto.
Stuttgart | |
------------------|-------------------------------|--------------------------------
12. 1975 | F.Frevert | dto
Reckling- | A. Kunert |
hausen | G. Zimmermann (Geschf.) |
| E. J. Beneke |
| P. Höbel (Erlangen) |
| H. G. Malimann (Glücksburg) |
| H. Oberndorfer |
------------------|-------------------------------|--------------------------------
13. 1977 | F. Frevert | dto
Darmstadt | A. Kunert |
| H. Oberndorfer (Geschf.) |
| H. J. Bruns (Hannover) |
| K. Güssow (Leverkusen) |
| P. Höbel |
| R. Wiechoczek (Paderborn) |
------------------|-------------------------------|--------------------------------
14. 1979 | K. Güssow | ab 1. 6. 1979:
Karlsruhe | A. Kunert | H. Oberndorfer
| P. Stättmayer (Geschf./Mü) |
| H. J. Becker (Bonn) |
| H. J. Bruns |
| W. Liesmann (Hundesossen) |
| R. Wiechoczek |
------------------|-------------------------------|--------------------------------
15. 1981 | K. Güssow | dto.
Köln | A. Kunert |
| R Stättmayer (Geschf.) |
| H. J. Staude (Heidelberg) |
| H. J. Bruns |
| W. Liesmann |
| Ch. Münkel (Pinneberg) |
------------------|-------------------------------|--------------------------------
16. 1983 | K. Güssow | dto.
Heppenheim | A. Kunert |
| P. Stättmayer (Geschf.) |
| R. Beck (Bonn) |
| Ch. Münkel |
| H. J. Staude |
| W. Wepner (Köln) |
------------------|-------------------------------|--------------------------------
17. 1985 | K. Güssow | ab SuW-Heft 1/1985:
Wetzlar | P. Stättmayer (Geschf.) | red. Beteiligung der
| R. Beck | VdS-Fachgruppen
| R. Koppmann (Mönchengldb.] |
| P. Riepe (Bochum) |
| H. J. Staude |
| W. Wepner |
------------------|-------------------------------|--------------------------------
18. 1987 | W. E. Celnik (Berlin) |
Bochum | P. Stättmayer (Geschf.) |
| R. Beck |
| R. Koppmann |
| P. Riepe |
| H. J. Staude |
| P. Völker (Berlin) |
------------------|-------------------------------|--------------------------------
19. 1989 | W. E. Celnik | erstmals kooptierte
Berlin | P. Stättmayer (Geschf.) | Vorstandsmitglieder:
| O. Guthier (Ingelheim) | M. Dillig
| R. Koppmann | M. Möller
| A. M. Quetsch (Heidelberg) | F. Schwamborn
| P. Riepe |
| P. Völker |
------------------|-------------------------------|--------------------------------
20. 1991 | dto. | dto., zusätzlich
Wuppertal | | K. D. Kalauch