Insektensterben durch Lichtverschmutzung

12. September 2018 - g.grutzeck

Der natürliche Wechsel von hellem Tag und dunkler Nacht ist der grundlegendste Rhythmus der meisten Lebewesen und ein wichtiges Element funktionierender Ökosysteme. Unterbrechungen bedeuten immer eine Störung. Künstliches Licht bei Nacht sollte daher so belastungsarm wie möglich eingesetzt werden.

Durch aktuelle Forschungsergebnisse über den dramatischen Rückgang der Insekten im letzten Jahr rückt das Thema Lichtverschmutzung als eine der wichtigen Ursachen in den Fokus, beispielsweise im Eckpunktepapier der deutschen Bundesregierung [1].

In Anbetracht der Dringlichkeit des Problems fordert die Fachgruppe Dark Sky, Empfehlungen für umweltfreundliche und verantwortungsvolle Beleuchtung schnellstens bei Planungen und Umsetzungen zu berücksichtigen, die im wesentlichen Lichtlenkung, Lichtmenge und Lichtfarbe umfassen. Die entsprechende Technik ist bereits seit Jahren vorhanden und muss endlich genutzt werden.

Die ehrenamtlich arbeitende Fachgruppe “Dark Sky – Initiative gegen Lichtverschmutzung” der Vereinigung der Sternfreunde e.V. beschäftigt sich bereits seit über 20 Jahren mit diesem Umweltthema und hat schon vor 10 Jahren an Untersuchungen der Universität Mainz zur Auswirkung künstlichen Lichts auf Insekten mitgewirkt [2]. Diese Untersuchungen in Düsseldorf zeigten, dass Leuchtmittel mit geringen Blau- und Ultraviolettanteilen deutlich weniger Insekten anziehen. In dem Zusammenhang wurde damals bereits auf die rapide Abnahme der Insekten hingewiesen [3].

Die Fachgruppe veröffentlichte vor zwei Jahren gemeinsam mit der “Kommission Lichtverschmutzung” der Astronomischen Gesellschaft und der Gesellschaft Deutschsprachiger Planetarien Empfehlungen zur Reduzierung der Lichtverschmutzung [4]. Diese Hinweise sind weiterhin aktuell und werden durch neuere wissenschaftliche Studien unterstützt. Sie helfen auf einfache und effektive Weise, das Sterben von Insekten an künstlichen Lichtquellen zu reduzieren. Dadurch werden auch andere Arten und der Mensch gezielt vor negativen Auswirkungen durch künstliches Licht bei Nacht verschont. Diese Empfehlungen für eine nachhaltige künstliche Beleuchtung, die weit über eine reine Energieeffizienz reichen, werden bereits in den Kommunen der Sternenparks, die in den letzten Jahren mit Unterstützung der Fachgruppe Dark Sky als Modellregionen errichtet wurden, praktisch umgesetzt.

Die Fachgruppe Dark Sky arbeitete zudem an der Erstellung einer Broschüre “Nachhaltige Beleuchtung” des hessischen Umweltministeriums mit, in der Hinweise für Industrie und Gewerbe gegeben werden [5].

Diese von der Fachgruppe Dark Sky empfohlenen Maßnahmen umfassen folgende Punkte:

Da diese Maßnahmen leicht zu realisieren sind, fordert die Fachgruppe Dark Sky endlich ihre schnelle Umsetzung:

Für Fragen und Unterstützungen steht die Fachgruppe Dark Sky im Rahmen ihrer ehrenamtlichen Möglichkeiten zur Verfügung.

Referenzen:

[1] www.bmu.de/pressemitteilung/bundeskabinett-beschliesst-eckpunkte-fuer-aktionsprogramm-zum-insektenschutz/

[2] Gerhard Eisenbeis: Straßenbeleuchtung und Umwelt – Wirkung konventioneller und moderner Straßenbeleuchtungslampen auf das Anflugverhalten von Insekten, Landeshauptstadt Düsseldorf, Jan. 2009
Gerhard Eisenbeis und Klaus Eick: Studie zur Anziehung nachtaktiver Insekten an die Straßenbeleuchtung unter Einbeziehung von LEDs, Natur und Landschaft 86, 2011, S. 298

[3] “This growing body of evidence strongly suggest that the diversity of insects has declined dramatically in Germany and England during the last decades. The implementation of insect friendly lighting systems may reduce the negative impacts on insects, but if the absolute lighting levels continue to increase then our cities will develop to nearly insect (and perhaps bird) free ghost towns far away from the formerly rich animal life.” in: Gerhard Eisenbeis und Andreas Hänel: Light pollution and the impact of artificial night lighting on insects, in M.J. McDonnell, A.K. Hahs, J.H. Breuste (ed.): Ecology of Cities and Towns, Cambridge, 2009, p. 260

[4] http://www.lichtverschmutzung.de/zubehoer/download.php?file=Resolution_gegen_Lichtverschmutzung.pdf

[5] M. Schmidt, A. Hänel: Nachhaltige Außenbeleuchtung – Informationen und Empfehlungen für Industrie und Gewerbe, Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Wiesbaden, 2017, https://umwelt.hessen.de/presse/pressemitteilung/wie-lichtverschmutzung-reduziert-werden-kann

Kontakte:

Dr. Andreas Hänel
Fachgruppe Dark Sky der Vereinigung der Sternfreunde e.V., c/o Museum am Schölerberg, Osnabrück
Tel. 0541-5600326
ahaenel@uos.de

Sabine Frank
Sternenpark Rhön
Landkreis Fulda
Tel. 0661-60061659,
info@sternenpark-rhoen.de

 

Die Vereinigung der Sternfreunde e.V.

Die Vereinigung der Sternfreunde e.V. (VdS) ist mit über 4000 Mitgliedern der größte Verein von Amateurastronomen im deutschsprachigen Raum. Sie widmet sich der Pflege und Förderung der Amateurastronomie durch Beratung und Erfahrungsaustausch bei der astronomischen Arbeit. Zudem fördert sie Kontakte zur Fachastronomie und die astronomische Volksbildung, etwa mit der Organisation des jährlich stattfindenden Astronomietags. Außerdem steht den Mitgliedern die Nutzung der Sternwarte in Kirchheim offen und viermal jährlich wird eine Zeitschrift, das VdS-Journal für Astronomie, veröffentlicht.

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